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Irene König ⌂, Mittwoch, 06.05.2020, 13:18 (vor 24 Tagen) @ Irene Gies

Hallo Irene,

in deiner Familie wurden viele Erinnerungen mündlich an die nachfolgende Generation weitergegeben. Das ist einerseits schön und wertvoll, birgt aber auf der anderen Seite auch die Gefahr, dass Tatsachen ungewollt verfälscht werden. Einfach deswegen, weil Erinnerungen im Lauf der Zeit verblassen. Darum solltest du zumindest in Erwägung ziehen, dass sich das eine oder andere in der Familiengeschichte anders zugetragen haben könnte.

ihr erstes Kind (Sohn August) während der 3-monatigen Deportation nach Sibirien geboren war und im Alter von 1-2 Monaten unterwegs begraben wurde.

Das Kirchenbuch sagt etwas anderes. August GIESE wurde am 3. September 1914 in Wielki Pole geboren und dort zwei Tage später getauft. Eltern: Karl GIESE und Elisabeth geb. BÖHM, Taufpaten Ludwig RICHTER und Ottilie ABRAM (Quelle: KB Tutschin 1914, S. 88, Nr. 429). Wenn August während der Deportation 1915/16 gestorben ist, war er also 1-2 Jahre alt, nicht 1-2 Monate.

In der Eintragung zum Tod des Gottfried steht, dass er „verheiratet“ und nach „langwieriger Krankheit“ gestorben war. Kann das stimmen? Ist es möglich, dass falsche Eintragungen ins Kirchenbuch damals erzwungen oder Tatsachen bewusst verschwiegen wurden?

Möglich ist natürlich alles. Wenn ich mir den Sterbeeintrag von Gottlieb GIESE ansehe und deine Familienerinnerungen beiseite lasse, würde ich aber erst einmal davon ausgehen, dass er tatsächlich nach langer Krankheit eines natürlichen Todes gestorben ist. Wäre seine Frau am gleichen Tag gestorben, müsste es einen Sterbeeintrag auf derselben Seite geben.

Gehen wir davon aus, dass die Witwe noch einige Zeit gelebt hat, wenn vielleicht auch nur Tage oder Wochen, käme folgendes in Frage: Julianna ist alleine mit 6 Kindern - im Alter von 3 Wochen bis 11 Jahren. Da sie Hilfe braucht, zieht sie mit den Kindern zu Verwandten. Sie verstirbt (möglicherweise in einem anderen Ort) und die Kinder werden nun auf verschiedene Familien "aufgeteilt", da niemand in der Lage ist, zusätzlich zu seiner Familie noch 6 Kinder aufzunehmen. Die größeren Kinder, die schon arbeiten können, werden bei jemanden "in Dienst gegeben", das würde zu der Erwähnung des polnischen Gutsherren passen.

die Nachbarn retteten die Kinder (Wernhardt, Karl und Wilhelm), indem sie die mit einem Floss den Fluss runter weg schickten. Bei Rowno nahm ein reicher polnischer Pan ...

Es gab sicher eine Episode im Leben deines Großvaters Karl, in der eine Floßfahrt eine Rolle spielte. Die Geschichte von drei kleinen Kindern (11, 8 und 1,5 Jahre alt), die über 100 Kilometer von Totowitsch bis in die Nähe von Rowno auf einem Floß zurücklegen, ist für mich schwer vorstellbar. Vielleicht ist auch in dieser Familiengeschichte etwas vermengt worden?

- Elisabeths Vater Daniel Böhm das Gut unter seinen zwei Töchtern aufgeteilt hatte (das Vermögen von Elisabeth wurde später enteignet, ihre verheiratete Schwester war davor nach Kanada ausgereist),
- Karl mit der Heirat mit Elisabeth von seinem polnischen Pan nach Samostischtsche ging,

Ottilie ABRAM, die 1914 Taufpatin war bei August GIESE, war eine geborene BÖHM - vielleicht ist sie die von dir erwähnte Schwester? Der Vater Daniel BÖHM ist bereits 1912 verstorben. Das Land wird an seine Erben gegangen sein bzw. dann an die Ehemänner der Töchter. Karl GIESE verliert im Zuge der Enteignung 1915/16 auch den Landbesitz in Samostitsche: 9 Dessjatinen und 144 Saschen. (Quelle: Dr. Mychajlo Kostiuk - Liquidation wolhyniendeutschen Eigentums in den Jahren 1915/16. Namenslisten – Luzk 2015. Vorwort und Beschreibung in Deutsch, Englisch und Russisch. Text in Russisch)

Gruß, Irene


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