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Re: Vortrag Teil 3: Die kolonisierten Regionen und Städte

Gerhard König ⌂, Montag, 23.06.2003, 12:21 (vor 8313 Tagen) @ Gerhard König

Als Antwort auf: Auswanderung nach Brasilien von Gerhard König am 17. Juni 2003 00:15:33:


Vortrag zur Auswanderung deutscher Siedler nach Brasilien

Von Pfarrer Egidio Weissheimer. Porto Alegre, Rio Grande do Sul, Brasilien

Diese Arbeit hatte der Pfarrer Egidio Weissheimer am 25. Juli 1999 bei der Evangelischen Kirche Martin Luther in Porto Alegre, Rio Grande do Sul, Brasilien zur Gedenkfeier der 175-jährigen deutschen Einwanderung in Brasilien vorgestellt.

(Übersetzung von Ines Campbell (Calgary, Canada) und im Deutschen editiert von Gerhard König (Eisenach, Deutschland))

3. Die kolonisierten Regionen und Städte, die von deutschen Einwanderern gegründet wurden.

Nachdem der Friedensvertrag von Poncho Verde 1845 zwischen Caxias und David Canabarro unterschrieben worden war, stand der Kolonisation des Gebietes durch die Deutschen nichts mehr im Wege.

Sie besiedelten hauptsächlich die Täler des Cai, Tacquari und Jacui. Im Tal des Cai bekamen die wichtigsten Städte der portugiesischen Besiedlung, Montenegro und Sebastião de Cai, einen deutschen Anflug, wie es auch schon in Pareci, Pareci Novo, Harmonia und Bom Principio (Winterschneis) und anderen Städten geschehen war. Die Gegend des Arroio Forromeco, einem Nebenfluß des Cai, wurde 1854 für die "Sociedade (Gesellschaft) Montravel, Silveiro & Cia" kolonisiert, die dort die "Colonia de Santa Maria da Soledade" gründeten, die nicht nur von Deutschen bewohnt wurde, sondern auch von Belgiern, Holländern, Schweizern und Franzosen. Weiter oben vom Cai findet man Feliz, von der Regierung kolonisiert ab 1846, von der UNO 1998 als die "cidade de melhor qualidade de vida do Brasil" ernannt (die Stadt in Brasilien, die die beste Lebensqualität hat), und schließlich Nova Petrópolis, 1858 von Sellin und Bartolomay gegründet.

Das Tal des Jacui, mit der wichtigsten Stadt Cachoeira do Sul, wo zuerst nur portugisische Siedler waren, aber auch dort war ein großer deutscher Einschlag zu fühlen. Die Nachbarstädte Agudo und Paraíso do Sul, die in der von Baron von Kahlden gegründeten Colônia de Santo Angelo (Kolonie des Heiligen Engels) waren, wurden hauptsächlich von pommerischen Leuten aus Lubow ab 1857 besiedelt.

In das Tal des Taquari, mit den wichtigsten Städten Lajeado (1853 in der Zeit der Klöster von Antônio Fialho gegründet), Teutônia (1858 von Carl Arnt gegründet) und Estrela (1846 von Vito Barreto gegründet), zusammen mit den Städten in der Gegend: Canabarro, Forqueta, Forquetinha, Cruzeiro do Sul, Boa Esperança, Marques de Souza (hies Neuberlin, gegründet 1868), gehen wir jetzt nach Santa Cruz im Tal des Rio Pardo (kolonisiert 1849 von Bartolomay) und in der Nachbarschaft Monte Alverne, ab 1860 kolonisiert, kamen nicht nur neue deutsche Immigranten, sondern auch Immigranten aus den älteren von Deutschen besiedelten Gebieten des Sinos und des Caí.

Schließlich finden wir am Ende des Staates (Rio Grande do Sul) São Lourenço do Sul, 1857 von Jacob Rheingantz, wo sich hauptsächlich Tageslöhner aus Westfalen ansiedelten.

Dort, wo sie sich ansiedelten, hinterließen sie ein Zeichen des Fortschrittes, wie man an Beispielen der Täler Sinos, Caí und Taquari sehen kann.

Sie waren nicht einfach nur Kolonisten, sie hatten auch Berufe, wie Lederarbeiter (Schuster seleiros ?, Gerber), Schmiede, Tischler, Kaufleute, Schneider, Ärzte, Lehrer u.a..

Es ist wahr, die meisten von ihnen waren arm.

Es ist wahr, daß sie aus einer Heimat mit unsicherer Demokratie, mit wirtschaftlicher Rezession ?, von unproduktivem und ausgelaugtem ? Land weg gelaufen sind.

Es ist auch wahr, daß sie von der Arbeitslosigkeit, dem Hunger, der Unsicherheit und keinen Perspektiven weg gelaufen sind.

Aber es ist auch wahr, das sie ihre Arbeitskräfte mitgebracht haben, ihre Kunst, ihre Traditionen, Folklore und Kostüme (Trachten), ihre Sprache, ihre Küche, die noch bis zum heutigen Tage erhalten geblieben ist.

Zusammenfassung:
Sie haben Fortschritt gesäht, wo vor 175 Jahren nur Urwald war.

Heute, wenn wir die Ankunft der ersten deutschen Immigranten feiern, müssen wir an diese bescheidenen, mutigen und dickköpfigen Immigranten denken, die ihre Heimat verlassen haben, die hierher gekommen sind, um eine bessere Zukunft für sich und die ihrigen auf zu bauen, die Seite an Seite mit den demais etnias ? bei gesteuert haben, nicht nur zur Entwicklung dieses Staates, sondern auch des Landes Basilien, das sie adoptiert hat.


Diese Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der beteiligten Autoren.


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