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Re: Wer kann widersprechen?

Gerhard König ⌂, Samstag, 16.08.2003, 22:17 (vor 8258 Tagen) @ Waldemar Wolff

Als Antwort auf: Re: Wer kann widersprechen? von Waldemar Wolff am 16. August 2003 16:39:17:


Hallo Waldemar,

Um das geht es ja gerade, dass es keine Quellen gibt.

Von den wenigen verfügbaren Quellen, zuzüglich deren Entstehungshintergrund und Probleme bei der Erstellung vor 100 und mehr Jahren, haben wir Dir einige zitieren können.

Die Differenzen zwischen den zwei Aussichten und meiner Aussage konnte ich nicht feststellen ..

Bei der Ansicht der Kreiseinteilung 1899 sind die Ortschaften östlich von Nowograd-Wolynsk erkennbar. Allein auf die Tatsache, daß vor 1862 die zwei evangelischen Kirchspielsitze Shitomir (gegr. 1801) und Kiew (gegr. 1767, aus diesem ging 1901 das Kirchspiel Radomysl in Wolhynien hervor) existierten, wollte ich hiermit hinweisen.

"Bis 1862 gab es östlich Nowograd-Wolynsk, d.h. in Ostwolhynien,
überhaupt keine deutsche Siedlungen (Kolonien)".
.. auch jetzt noch bin ich auf 95% derselben Meinung ..

Schade, mit der Antwort von Jerry und seinem Nachprüfen der Lage der genannten Ortschaften vor 1862 sollte Deine obige Aussage widerlegt sein. Jerry nennt insgesamt (lt. den von mir genannten Quellangaben) 11 Ortschaften deutscher Kolonisten östlich von Nowograd Wolhynsk und vor 1862 gegründet.

Ich habe alle "Wolhynische Hefte" durchgesucht und bin zu dieser Behauptung gekommen ..

Alle 12 Hefte nochmal lesen, ist mir jetzt etwas viel - da fehlt mir einfach die Zeit, dafür "sorry" an dieser Stelle. Aber Du kannst Dich gern an die Autoren der Hefte wenden mit Deiner Frage. Die Adresse vom Verein und dem Vorsitzenden Herrn ARNDT findest Du hier: http://www.wolhynien.de/links2.htm.

Übrigens: In dem Diagramm "Kirchspiele in Wolhynien" steckt ein Fehler wahrscheinlich
ein Druckfehler). "1943 ? ca. 350.000 Deutsche verlassen Ost-Wolhynien"
Das waren wahrscheinlich 35.000 (max. 50.000). Im gesamten Wolhynien gab es nur
ca. 200.000 in den besten Zeiten.

Dieses Diagramm ist eine Gemeinschaftsarbeit von Richard Benert, Irene Kopetzke und mir. Wir haben über die Gestaltung sehr lange diskutiert und die Zahl von 350.000 Deutschen soll tatsächlich stimmen. Du kannst beispielsweise auf der Seite zur Geschichte Wolhyniens ( http://www.wolhynien.de/history.htm) vergleichen. Da Du selbst die Wolhynischen Hefte erwähnt hast, dann schau mal in das Heft Nr.12 auf die Seiten 13 und 14. Wenn bereits 1914 die Gesamtzahl der Deutschen in Wolhynien auf 250.000 geschätzt wird (trotz der Abwanderung von: 20.000 nach Brasilien um 1890, 10.000 ins Baltikum 1900-1913 und 15.000 nach Posen, Westpreußen oder nach Sibirien), kann ich mir gut vorstellen, daß fast 30 Jahre später ca. 350.000 Deutsche in Ost-Wolhynien lebten.

Nun wirst Du vielleicht sagen - ja, da kam der 1. Weltkrieg mit den riesigen Menschenverlusten ... - da kann ich Dir ein Beispiel aus dem Ort Wincentow bei Beresk geben:
Nach dem Krieg wagten 6-7 Familien einen Neuanfang in dem völlig zerstörten Dorf. Ganze 2 oder 3 Scheunen oder Stallungen hatten noch ein intaktes Dach, die als erste Wohnstätte dienten. Die von mir geschätzte Einwohnerzahl nach dem WW1 lag bei etwa 30-40 Personen. Bis zum Jahr 1939 entwickelte sich die Einwohnerzahl dieses Ortes auf 200-220 Personen. Das ergibt eine Bevölkerungsentwicklung für diesen Ort in ca. 20 Jahren von 500-600(!) Prozent.

Gerhard


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