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Re: Fam. KASAN aus Posen

Irene König ⌂, Dienstag, 20.10.2015, 19:45 (vor 2190 Tagen) @ Gerhard Kasan

Hallo Herr Kasan,
es ist Ihnen vielleicht nicht neu, aber ich möchte es trotzdem erwähnen, da mir hier die Quellenlage doch recht unzureichend erscheint. Leider geht es hier ja vielen so, mit dem Problem sind Sie nicht allein.

In der Familienforschung unterscheidet man zwischen Primärquellen und Sekundärquellen. Primärquellen sind Dokumente, die urschriftlich erstellt wurden, z.B. Geburts-, Heirats oder Sterbeurkunden. Diesen Quellen kann man am meisten trauen, da sie zeitlich unmittelbar zu dem entsprechen Ereignis bezeugt und erstellt wurden.

Alle Angaben, die Sie zu Geburten, Heiraten und Herkunftsorten Ihrer Vorfahren hier gemacht haben, basieren NICHT auf Primärquellen, sondern auf Sekundärquellen. Die Sekundärquellen sind oft sehr wertvoll - und manchmal das einzige, was man hat -, weil sie dem Familienforscher die Richtung weisen können, wo er nach Originalquellen suchen kann. Aber man sollte den Sekundärquellen immer mit einem gesunden Mißtrauen begegnen, denn sie können Fehler enthalten, weil sie z.B. auf Abschriften oder mündlichen Aussagen u.ä. basieren.

- Geburt Barabara SENGES 1873
Der Auszug aus dem Geburtsregister wurde 1879 erstellt. Er scheint sich auf den Originaleintrag zu beziehen und ist demnach als glaubhaft einzustufen, obwohl ich es merkwürdig finde, dass der Pastor den Namen der Mutter nicht eindeutig lesen kann. Mit dem Nachnamen der Mutter scheint es aber einige Verwirrung zu geben, wie die Einträge zu den weiteren Kindern zeigen. Im Duplikat des Kirchenbuchs von 1873, aus welchem Regina zitiert, steht eindeutig Elisabeth geb. STARK. Aber da dies eine Abschrift = Sekundärquelle ist, bleibt der Name der Mutter ungewiß. Hier bräuchte man den Heiratseintrag von Barbaras Eltern, um den Mädchennamen der Mutter zu belegen.

- Joseph SENGES geb. 1838 in Witzentof Kirchspiel Pilitz bei Warschau
Handschriftliche Notizen Ihres Großvaters aus dem Gedächtnis heraus = Sekundärquelle. Es könnte sich um das Kirchspiel Pilica handeln, das 1837 gegründet wurde und zur Diözese Warschau gehörte. Etwa 20km weiter nördlich liegt der Ort Wincentów, aber ob das der Geburtsort ist, ließe sich nur mit Hilfe des Geburtseintrags und des Heiratseintrags untermauern.
Karte: P41 S32 Grójec
http://igrek.amzp.pl/mapindex.php?cat=WIG100&mark=20.8667,51.8667&ext=mark

- Geburt Eduard KASAN 1869 in Ruschkow, Kreis Kolo, Gouvernement Kalisch
Bescheinigung des Fürsorgevereins für deutsche Rückwanderer, ausgestellt 1928. Hier ist nicht bekannt, ob, und wenn ja, welche Dokumente dem Fürsorgeverein vorgelegt wurden, daher wäre es wichtig, nach dem Geburtseintrag zu suchen! Als Geburtsort könnte Ruszków, gleich südlich von Koło gelegen, in Frage kommen.
Karte: P40 S27 Koło
http://igrek.amzp.pl/mapindex.php?cat=WIG100&mark=18.6167,52.1833&ext=mark

- Kirchlich getraut in Posen 1868, Pauline Balkwitz geb. 1837
Handschriftliche Notizen Ihres Großvaters aus dem Gedächtnis heraus und somit nicht als absolut sicher zu bewerten. Es ist ja nicht auszuschließen, dass er sich nicht mehr genau erinnern konnte. Ich finde bei den Daten vor allem die zu der Zeit ungewöhnlich späte Heirat fraglich: die Braut wäre 1868 bereits 31 Jahre alt gewesen! (Falls sie verwitwet und dies bereits ihre zweite Heirat war, wäre das Alter nicht mehr ungewöhnlich, aber dafür gibt es wohl keine Hinweise).

Um in Ihrer Ahnenforschung voranzukommen, wäre also die Suche nach dem Geburtseintrag von Eduard KASAN in (eventuell vorhandenen) Kirchenbüchern von Kolo oder den Nachbarkirchen der erste Schritt. Nur so lassen sich die Namen seiner Eltern sicher feststellen.

Nicht außer acht lassen würde ich jedenfalls den Hinweis von Stefan Rückling auf die Heirat 1862 von Adolf KAZAN & Paulina BUCHWITZ. Wenn es sich nicht um dasselbe Paar wie oben handelt (was nicht ausgeschlossen ist), so wird es doch evtl. Verwandschaft sein. Der Bräutigam Adolf KAZAN ist gebürtig aus Preussen (wahrscheinlich Posen).
http://www.szukajwarchiwach.pl/54/854/0/4.1/31/skan/full/UTA9ly7n_gDv_tsoP5hZyQ

Die Heirat seiner Eltern (Johann Gottlieb KASAN & Eleonore KALEWSKI) ist ebenfals im Poznań Projekt zu finden http://poznan-project.psnc.pl/?lang=de. Sie fand am 6. Februar 1833 in der Evangelischen Gemeinde Grodzisk Wielkopolski [Grätz] und somit in der Provinz Posen statt.
http://szukajwarchiwach.pl/53/3786/0/-/18/skan/full/t0n9Ng-H1mMfsxej3Bu_sw

Womit sich der Kreis wieder schließt zu den Notizen Ihres Großvaters, der die Herkunft der Familie KASAN aus Posen beschreibt. Weitere Hilfe bei Ihrer Forschung können Sie evtl. in Foren erhalten, die sich mit den betreffenden Gebieten befassen, zum Beispiel auf http://forum.ahnenforschung.net/

Viel Erfolg!
Irene König


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