Lippert und Handau/Frühe Einbürgerungsunterlagen

Silke Hauer @, Montag, 13.05.2019, 14:01 (vor 64 Tagen)

Liebe Forummitglieder,

nachdem ich schon einiges mitlesen und lernen konnte - vielen Dank an alle, die so freundlich ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen! - möchte ich an dieser Stelle eine konkrete Nachfrage stellen, da ich langsam den Eindruck habe - im Zuviel und gleichzeitig Zuwenig an Informationen zu verzweifeln.

Wir sind auf der Suche nach den Wurzeln der

Handau, Johann * 20.07.1841 in Polen + Vor 1940 in „Lettland“
Handau, Marie Luise geb. BLOCH * 18.09.1868 "Rußland" + Nach 1939 in „Deutschland“
Lippert, August * 07.03.1854 in Karolinow, Kr. Plotzk + 17. 01.1919 Börnig, Herne/Westfalen
Lippert, Maria geb. WOLTER * 06.03.1871 „Zolodzie, Rußland“ + 06.01.1936 Herne/Westfalen

Ihre Kinder (als unsere Vorfahren), Agathe Lippert und Alexander Handau, sind laut Angabe auf ihren Sterbeurkunden 1900 in Julianowka/Shitomir bzw. 1897 in Jablonez/Shitomir geboren. Über die SGEE-Datenbank habe ich noch ein paar Geschwister von Alexander Handau gefunden (ihn selbst nicht), aber nichts weiter zur Herkunft der Eltern.

Für die beiden Letztgenannten hatte ich im Bundesarchiv die Einbürgerungsunterlagen 1939 erbeten und ausser dem Stammblatt (nur) noch die Gesundheitskarteikarte erhalten. Ob sonst mehr in der Akte dabei ist, vermag ich nicht zu sagen. Immerhin hatten wir somit die o.g. 4 Namen.
Den Sterbeort der beiden Lipperts habe ich via Sterbeurkunde im Standsesamt in Herne erfahren. Ich hatte dort nachgefragt, weil einer ihrer Enkel dort geboren wurde. Dieser und seine Eltern waren aber NICHT in Westfalen geblieben, sondern gingen vermutlich Anfang der 1930er Jahre nach Lettland und Polen, um dann - s.o. 1939 wieder nach Deutschland eingebürgert zu werden.

Leider ist der Geburtsort der Maria Lippert, geb. WOLTER (den habe ich auch erst von der Sterbeurkunde) derzeit nicht zuzuordnen. Ich hatte erst die Vermutung, dass es sich um Solodyri handeln könnte, aber Gerhard König hatte dann im AhnenforschungNet-Forum, wo ich die Ortsanfrage gestellt hatte, gepostet, dass ihm diese Schreibweise noch nicht untergekommen wäre und möglicherweise auch sie wie ihr späterer Ehemann eher in Zentralpolen geboren sein könnte.

Der Hinweis auf die Suche von (frühen) Einbürgerungsunterlagen (also um/vor 1919) war gut. Mittlerweile weiss ich, dass zunächst das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz für die Einbürgerungen vor und um die Zeit des 1. WK zuständig ist. Nun habe ich erst einmal Antwort vom GStAPK (auch mit ein paar eher allgemeinen Bestandssignaturen), die mich anhand ihrer Hinweisfülle allerdings erschlägt.
Zunächst kommt der Hinweis, dass Recherchen in diesem Bestand nur dann Erfolg haben, wenn eine Einbürgerung im Gebiet des ehemaligen Preußens (Überlieferung von 1892 - 1929) erfolgt ist; Einbürgerungen in andere Teile Deutschlands liessen sich hier nicht ermitteln.
Hm, wir gehen ziemlich sicher davon aus, dass sich (wenigstens zwei) der Gesuchten gleich in Westfalen ansiedelten. Damit müssten wir nach Hinweis des GStAPK wohl eher in einer Behörde/Archiv im jeweiligen Regierungsbezirk recherchieren. Aber wo wäre das in diesem Fall?

Zudem gaben sie mir den Hinweis, dass ich auch im

  • Bundesarchiv Abteilung B Außenstelle Bayreuth (Unterlagen des ehemaligen Kirchlichen Suchdiensts Stuttgart, der zuständig war u. a. für die Unterlagen der Einwanderer-, Umwanderer- und Rückwanderer aus Ostpreußen, Memelland, Danzig-Westpreußen, Baltische Staaten, Wartheland-Polen, GUS-Staaten, Wolhynien/Ukraine)
  • Bundesarchiv, Finckensteinallee (erhalten gebliebenes Schriftgut der Reichsstelle für deutsche Rückwanderung)
  • Bundesverwaltungsamt Köln (Nachweisführung in Staatsangehörigkeitsfeststellungs- und Einbürgerungsverfahren)
  • Staatsarchive Danzig und Posen


nachfragen sollte. Hinzu kommt die Information, dass es auch Daten im DAI und/oder der Martin-Opitz-Bibliothek gaben kann (siehe Beiträge von Stefan Rückling).
Ich bin im Moment mehr als ratlos, welche Schritte ich als erste unternehmen sollte bzw. welche in unserem Fall erst einmal am erfolgversprechendsten sind.

Vielleicht hat auch jemand - unabhängig vom Vorgehen über die Einbürgerungsunterlagen - Hinweise auf die Gesuchten aus anderen Quellen?

Für beide Problemschwerpunkte freue ich mich wirklich sehr, wenn jemand uns mit Hinweisen weiterhelfen kann.

Silke

PS: Bzgl. FN Handau habe ich die Postings hier gelesen und hatte auch Kontakt mit Irmgard Müller. Damals kamen wir leider aber (noch) auf keine gemeinsame Verbindung.

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FN WOLTER, LIPPERT, HANDAU

Irene König ⌂, Mittwoch, 15.05.2019, 18:55 (vor 61 Tagen) @ Silke Hauer

Hallo Silke,

ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber mich hat dein Text regelrecht erschlagen. Er enthält so viele Informationen, dass ich am Ende nicht mehr weiß, was genau du eigentlich fragen willst.

Wenn es um Einbürgerungsunterlagen geht, wirst du hier eher keine konkreten Hinweise bekommen können. Fang einfach an, die Hinweise aus dem Bundesarchiv nach und nach abzuarbeiten, beginnend mit dem Archiv, wo du einen Fund am wahrscheinlichsten hälst.

Lippert, Maria geb. WOLTER * 06.03.1871 „Zolodzie, Rußland“ + 06.01.1936 Herne/Westfalen

Um bei Maria WOLTER/WALTER weiter zu kommen, benötigst du entweder einen Zufallsfund oder eben die Einbürgerungsunterlagen oder ihren Heiratseintrag. Bei den Geburten der Kinder Agathe WALTER *1900, Rudolf WOLTER *1904 und Richard WOLTER *1906 ist die Mutter Maria WOLTER ledig. (Evtl. gehört Adelgunde *1908 dazu, sind noch mehr Kinder bekannt?). Sie hieß damals noch nicht LIPPERT und die Heirat muss später stattgefunden haben, wenn du Glück hast, vielleicht in Deutschland.

Auch bei HANDAU gibt es keine einfache Lösung. Was ist mit der Heirat HANDAU & LIPPERT? Dem Sterbeeintrag von Johann HANDAU? Danach wirst du wohl suchen müssen, denn in den wolhynischen Kirchenbüchern kannst du keine Hinweise finden, wenn die Familie ausgewandert ist.

Viel Erfolg! Irene

FN WOLTER, LIPPERT, HANDAU

Silke Hauer @, Donnerstag, 16.05.2019, 08:51 (vor 61 Tagen) @ Irene König

Hallo Irene,

das erste Posting spiegelte auch mein Gefühl an "zuviel Informationen" wider und ganz offensichtlich kam es zu gut rüber...
Danke Dir sehr für Deine Antwort und v.a. den Hinweis bezgl. der Geburten der Maria Wolter/Walter. Ich hab mir derbe an den Kopf geschlagen, an die Möglichkeit nicht gedacht zu haben, dass Agathe (Lippert) unehelich geboren wurde. Kannst Du mir verraten, woher die Geburtsdaten sind? Es sollten richtigen Personen sein, da wir wissen, dass Agathe 2 Brüder namens Richard und Rudolf hatte.

Ich reduziere jetzt mal auf die nächstliegende Frage: Hat jemand aus den Hinweisen des GStAPK/eigenen Erfahrungen etc. einen Tip für mich, WELCHE Quelle die zunächst am erfolgversprechendste ist?
Da Westfalen ja zu Preußen gehörte, ist vermutlich der Bestand des GStAPK als erste Anlaufstelle gut geeignet.
Hier dann nur die Anschlussfrage: Kann mir jemand einen guten Kontakt vermitteln, bei dem ich den Archivbesuch beauftragen kann?

Nachfolgend der Vollständigkeit halber Antworten auf Deine Fragen:


Was ist mit der Heirat HANDAU & LIPPERT? Dem Sterbeeintrag von Johann HANDAU? .

Haben wir versucht über Kontakt nach Lettland und Suche im Staatsarchiv in Riga --> leider keine Dokumente für den FN gefunden. Sie fragten mich auch, woher ich so sicher sei, dass beides in Lettland stattgefunden habe. Das stand lediglich auf den Einbürgerungsunterlagen des Sohnes. Nachweislich war aber die Familie aus Talsen (Lettland) nach Deutschland eingebürgert worden (wenngleich Lettland nur eine kurze Episode in der Familiengeschichte war).

Herzlichen Dank nochmal für Deine Meldung.

Silke

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FN WOLTER, LIPPERT, HANDAU

Irene König ⌂, Donnerstag, 16.05.2019, 20:54 (vor 60 Tagen) @ Silke Hauer

Kannst Du mir verraten, woher die Geburtsdaten sind?

Hallo Silke,

du findest sie bei der SGGEE im Mitgliederbereich, Volhynia Indexes 1900-1918, wo du ja auch die Geschwister von Alexander HANDAU gefunden hast.
https://sggee.org/SGGEE2009/members/Volhynia_1900-18_birth.html

Nachweislich war aber die Familie aus Talsen (Lettland) nach Deutschland eingebürgert worden (wenngleich Lettland nur eine kurze Episode in der Familiengeschichte war).

Den Lebensweg von Agathe & Alexander kann ich nicht nachvollziehen. Wann und wo hat Agathe den Alexander HANDAU kennengelernt? Wann und wo haben sie geheiratet, wann und wo wurden die Kinder geboren? Was genau bedeutet die "kurze Episode" in Lettland in Jahreszahlen?

Es wundert mich etwas, dass die EWZ-Akte von beiden so unvollständig ist. Hast du um eine Kopie der gesamten Akte gebeten?

Gruß, Irene

FN WOLTER, LIPPERT, HANDAU

Silke Hauer @, Freitag, 17.05.2019, 10:22 (vor 60 Tagen) @ Irene König

Hallo Irene,

herzlichen Dank. Nun habe ich sie entdeckt.


Den Lebensweg von Agathe & Alexander kann ich nicht nachvollziehen. Wann und wo hat Agathe den Alexander HANDAU kennengelernt? Wann und wo haben sie geheiratet, wann und wo wurden die Kinder geboren? Was genau bedeutet die "kurze Episode" in Lettland in Jahreszahlen?

Ja, das ist leider auch wirklich schwer...
Agathe Wolter/Lippert und Alexander Handau sind beide in Wolhynien geboren (ihre Eltern ganz offenbar nicht). Beide werden sich dort kennengelernt haben, Heiratsnachweis gibt es nicht. Lediglich die Angabe auf den Einbürgerungsunterlagen von 1939: "oo 29.09.1918 in Lettland". Die Nachforschungen zum Heiratsnachweis (und Sterbenachweis von Alexanders Vater) in Lettland blieben erfolglos.

Agathe und Alexander waren dann bereits 1919 nachweislich in Herne/Westfalen, wo ihr 1. Sohn geboren wurde.
Entsprechend der Geburtsdaten ihrer weiteren Kinder waren sie wiederum 1922 und 1925 in Angerburg/Ostpreussen.
Danach klafft eine Lücke, wo ihr Verbleib unklar ist. Die Familiengeschichte erzählt jedoch, sie seien wieder nach Deutschland (Westfalen?) gegangen, von wo sie in den 1930ern wiederum erneut nach Lettland zogen (Laut Aussage einer Lettin, die im Archiv in Riga recherchiert hat, war das 1936). Schülerlisten der jüngeren Kinder von 1937 aus Talsen/Oxeln bestätigen das. 1939 wurde die Familie aus Lettland kommend nach Deutschland eingebürgert.
Die "Wanderungskilometer" finde ich enorm - das macht es aber schwer für uns...


Es wundert mich etwas, dass die EWZ-Akte von beiden so unvollständig ist. Hast du um eine Kopie der gesamten Akte gebeten?

Den Hinweis, genau diese Wortwahl zu verwenden hatte ich erst gelesen, nachdem ich damals (Nov. 2017) den Antrag gestellt hatte. Ein wenig enttäuscht hatte ich nachgefragt und die Antwort bekommen: "Die Recherchen wurden in den einschlägigen Beständen des Bundesarchivs durchgeführt und bezogen sich auf die Ermittlung aller vorhandenen Unterlagen zu den von Ihnen gesuchten Personen. Hierbei konnten insgesamt lediglich die Unterlagen (5 Seiten)...ermittelt werden. Nach derzeitigem Stand wurden alle Recherchemöglichkeiten ausgeschöpft."
Keine Ahnung, ob es eine Standardantwort war, ein bisschen flaues Gefühlt bleibt, da z.B. das Stammblatt von Agathe in dieser Lieferung nicht mal dabei war, sondern mir erst durch einen Forscher bereitgestellt wurde.
Ja, und weil das also in der Generation alles so ins Leere lief, versuchte ich nun bei den Eltern bzw. der 1. Einwanderung AUS Wolhynien anzusetzen.

Ich bin noch immer für jeden kleinen Tip dankbar. Der erste Weg führt nun wohl über das GStAPK. Wenn jemand via PN eine Empfehlung hat, würde ich mich freuen.

Lassen sich im übrigen Kopien der KB-Einträge aus dem Archiv Shitomir erlangen oder ist das aussichtslos?

Viele Grüße

Silke

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FN WOLTER, LIPPERT, HANDAU

Stefan Rückling @, Berlin, Freitag, 17.05.2019, 13:51 (vor 60 Tagen) @ Silke Hauer

Hallo Silke,

wenn die Eibürgerung im Jahre 1939, also im Rahmen der Umsiedlung "Heim ins Reich" erfolgte, ist das Geheime Staatsarchiv der falsche Ansprechpartner, sondern es müsste aus dem Bundesarchiv eine vollständige Reproduktion der Akte bestellt werden.

Zum Thema Einbürgerungen und Geheimes Staatsarchiv hatte ich mal einen Beitrag geschrieben, siehe hier : https://forum.wolhynien.de/index.php?id=27879 .

Viele Grüße,

Stefan Rückling

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Ich erfasse Auswanderer aus Brandenburg nach Polen und Rußland, 17.-19. Jahrhundert.
Szukam informacji o emigrantach z Brandenburgii przybylych na teren Polski i Rosji w XVII-XIX wieku.

FN WOLTER, LIPPERT, HANDAU

Silke Hauer @, Montag, 20.05.2019, 08:00 (vor 57 Tagen) @ Stefan Rückling

Hallo Stefan,

nein, siehe Eingangsposting. Es geht um FRÜHE Einbürgerungsunterlagen.
Da ich bei den Kindern nicht weiterkomme und die Eltern ganz offenbar 1919 in Deutschland waren, wurde mir der gute Tip gegeben, hier nach Einbürgerungsunterlagen aus dem Zeitraum vor/um den 1. WK zu suchen. Daher der Fokus auf des Geheime Staatsarchiv.
Im Verlaufe des Threads kam lediglich noch separat das Thema auf, warum wir so unvollständige Akten aus dem Einbürgerungsverlauf der Kinder von 1939 erhalten haben...

Wenn mir also jemand einen Tip bezüglich der ganzen Archive (wirklich das Geheime Staatsarchiv als erstes für die frühen Unterlagen der eingebürgerten Wolhynier aus unserer Familie?) und mit der Vermittlung eines Kontaktes weiterhelfen kann, würde ich mich sehr freuen.

Viele Grüße

Silke

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