Umsiedlung in das Warthegau

Änne Baudach @, Neulewin, Mittwoch, 07.04.2021, 17:58 (vor 11 Tagen) @ Max

Hallo Max,

die Siedler aus Alexandrowka und den umliegenden Siedlungen Karolinka, Jana, Mazjarnja wurden von etwa Oktober-Dezember von der Umsiedlungskommission Wo I/15 erfasst. Die Umsiedlung (Aussiedlung) mit der Bahn erfolgte um den Jahreswechsel 1939/40. Dabei wurden Frauen und Kinder mit Zügen (einfache Viehwagen) bis zur Grenze - welcher von den vier für die Umsiedlung vorgesehenen Grenzübergängen das war, weiß ich noch nicht - und dann in deutschen Personenzügen nach Lodz bzw. Umgebung gebracht. Dort trafen sie etwa 04.01.1940 ein. Die Männer vieler Familien, ältere mithelfende Kinder, aber auch ganze Familien wurden mit einem Treck - Wagenkolonne einfacher Pferdewagen, pro Familie max. 2 Wagen - in den sehr eisigen Wintertagen Anfang Januar 1940 bis zur Grenze geleitet und dann von dort auch in Zügen bis Lodz bzw. Umgebung (= Zgierz, Zdunska Wola, Pabianice ...) gebracht. Aus dem Erfassungsgebiet Alexandrowka (Wo I/15 = Wolhynien/Ortsbezirk Rozyszcze/Erfassungsbereich Alexandrowka) wurden offiziell insgesamt 971 Personen aus 242 Familien (Herdstellen) umgesiedelt aus den einzelnen ca. 19 Orten waren das

Ort Herdstellen Personen
1 Aleksandrowka 128 524
2 Body 2 8
3 Janow 44 203
4 Janowka 1 1
5 Karolinka 21 83
6 Kupiczow 3 8
7 Licin 1 2
8 Lowiszcze 2 11
9 Micholowka 13 27
10 Miedzikow 4 22
11 Mizernia 3 14
12 Nery 1 2
13 Ozierane 4 6
14 Peresieka 3 16
15 Tuliczow 2 11
16 Werbizcno 1 1
17 Wiktorowka 5 19
18 Witoniez 1 1
19 Witowie 3 12
Wo I 15 gesamt 242 971

Nicht alle "deutschstämmige" Siedler - darunter auch die sog. BugHolendry - verließen damals (West)Wolhynien.

In Lodz (Litzmannstadt) wurden die Umsiedler, die dort und in der Umgegend in verschiedenen Lagern unterkamen, durch die EWZ (Einwanderer-Zentralstelle) "durchschleust" - d.h. erfasst, gesundheitlich und rassepolitisch begutachtet, fotografiert ...
Dort wurden auch die Stammblätter erstellt - in mehrfacher Kopie/Ausführung, da sie für die verschiedenen Stellen als "Kartei-Karten-System" dienten.
Da gleichzeitig auch Umsiedler aus Galizien nach Lodz gebracht wurden, waren die Erfassungskapazitäten schnell überfordert. Manche Siedler wurden dann an andere Orte (Lager) gebracht und dort erfasst/durchschleust.
Im organisatorischen Ablauf der Umsiedlung wurden die Siedler oftmals an verschiedene Orte gebracht. So ist (heute) bekannt, daß die sog. BugHolendry aus den verschiedenen Wolhynischen Orten teilweise bis zum Sommer/Herbst 1940 in Lagern der Altreiches waren: um Nürnberg, in Teschen, Pirna, Stahnsdorf, Lichtenrade, Soland, ...
Nach der Erfassung und dem Antrag auf Einbürgereung wurde über die Einbürgerung ins "Deutsche Reich" entschieden. Auch dabei hatten verschiedene Stellen mitzureden.
Über die sog. BugHolendry, in den Dokumenten auch als Holländer/Hauländer bezeichnet, wurde speziell entschieden, ob sie als "deutschstämmige" Siedler anerkannt werden, da sie oftmals schlecht oder gar nicht deutsch sprachen. Daher verzögerte sich ihre "Ansiedlung" im Warthegau zusätzlich.

Die wolhynischen Siedlerfamilien wurden dann größtenteils im Warthegau angesiedelt. Sie erhielten polnische (enteignete) Höfe, die oftmals größer waren als ihre vordem. Dort wirtschafteten sie bis etwa Januar 1945.

Der Ort Sagurki, Post Quillern, Kreis Turek ist auf folgender Karte zu finden
http://maps.mapywig.org/m/WIG_maps/series/025K_german/4127_I_Ljubolja_XI.1944.jpg
Die Kol. Sagurki liegt etwas südöstlich von Ljubolja - unten links auf der Karte.

Am 16.01.1945 begann die Offensive der Roten Armee auf polnischem deutsch besetztem Gebiet. Es folgte die Flucht und für die es nicht rechtzeitig vor der Front über Oder und Neiße schafften, schwere Jahre im Polen der Nachkriegszeit.

Ich hoffe, daß ich etwas helfen konnte
Gruß
Änne


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