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Re: Teise aus Henrikowka

Irene König ⌂ @, Freitag, 24.01.2014, 20:29 (vor 4437 Tagen) @ Eugenia Teise

Hallo Eugenia,
den Scan der Konfirmationsurkunde habe ich bekommen. Da ich für die Suche etwas Zeit brauchte (und ja auch noch ein Leben neben dem Forum habe), kommt meine Antwort erst heute.

Zur Info für andere, die hier mitlesen, auf der Urkunde steht:

Ewald These
Geboren in Gouv Shitomir am 23. März 1901
Konfirmiert am 19. Juni 1916 zu Katharinenfeld
C. Koch
Pastor

Gouvernement Shitomir ist natürlich nicht korrekt, es muß Gouvernement Wolhynien heißen und Ujesd Shitomir. Das hat der Schreiberling etwas unglücklich zusammengezogen oder aber nicht gewußt.

Leider gibt es auf der Urkunde keinen Stempel des zuständigen Pfarramtes, also blieb nur noch die Suche nach dem Namen des Pastors C. Koch. Gefunden habe ich diesen hier:

Koch, Konstantin
Kolonistensohn, Lette
geb. 1871 in Dorpat, gest. 1920 in Omsk

Er war von 1904 bis 1917 als Pastor zuständig für das Kirchspiel Omsk und die Omsker Kolonien.*

Ewald Theise wurde also 1916 in diesem Gebiet konfirmiert. Es war die Zeit der Verbannung, 1915 war ja der größte Teil der Deutschen aus Wolhynien zwangsumgesiedelt worden ins Landesinnere. Diese Karte gibt einen kleinen Überblick, wo sie überall waren. Die Familie meines Vaters ist in Ufa gelandet, mütterlicherseits wurden viele noch weiter östlich transportiert, wie wahrscheinlich auch die Theises aus Henrikowka.

Ich kann jetzt in den mir bekannten Ortslisten kein "Katharinenfeld" im Kirchspiel Omsk finden. Aber ich nehme an, daß eine der "Jekaterinowka" genannten Kolonien von den Deutschen "Katharinenfeld" genannt wurde. Ich kann dafür jetzt keine Zeit investieren, denke aber, daß man das herausfinden könnte.

Westlich von Omsk, vor allem im heutigen Rayon Issilkul und Moskalenki gab es zahlreiche Mennonitensiedlungen, auch Siedlungen mit Lutheranern. In den Omsker Kolonien nahe Omsk lebten vor allem estnische, finnische und lettische Deportierte (Lutheraner), die auch von Pastor Koch betreut wurden.

Die Eisenbahnlinie führte dort entlang und mit ihr kamen die Wolhyniendeutschen und wurden mehr oder weniger freundlich aufgenommen. Pastor Koch aus Omsk hatte ein riesiges Gebiet zu betreuen und kam wahrscheinlich nur einmal im Jahr, um die Kinder zu konfirmieren. So ist Ewald Theise 1916 im Omsker Gebiet von Pastor Konstantin Koch konfirmiert worden. Wahrscheinlich ist er dann Ende 1917 oder 1918, wie so viele, wieder mit seiner Familie nach Wolhynien zurückgekehrt.

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* Quellen:
Joseph Schnurr, "Die Kirchen und das religiöse Leben der Russlanddeutschen"
Erik Amburger, "Die Pastoren der evangelischen Kirchen Rußlands"


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