Kirchenbücher Radomischel

Ralf Fennig ⌂ @, Montag, 25.02.2008, 20:34 (vor 6645 Tagen)

Hallo!

Da meine Urgroßeltern in Radomischel geheiratet haben (Apr. 1903?) und mein Urgroßvater wohl auch dort getauft wurde (Dez. 1911) würde mich interessieren ob die Inhalte der ev. Kirchenbücher von dort irgendwo archiviert sind - und ob es Informationen über diesen Ort und seine Umgebung gibt.

Mein Urgroßvater ist wohl in einem Ort namens "Arowika" geboren. Mein Großvater in einem Ort namens "Alexandrowka" - vor längerer Zeit habe ich hier erfahren das zumindest letzterer weit von Radomischel entfernt gewesen sein müßte.

Ganz schön kompliziert in Wolhynien zu forschen! Zumal dann wenn man Großeltern hatte die Informationen über ihre Herkunft gehütet haben wie andere Wissen über Bank- und Raubüberfälle.
Aber irgendwie muss ich da weiterkommen.

Über meine Ururgroßeltern habe nur die Namen. Wilhelm Fennig und Maria Beutler. Alles andere (außer das sie im Mai 1879 in Arowika meinen Urgroßvater Gustav Fennig geboren haben) liegt im Dunkeln.
Vielleicht hat ja auch da jemand Tips oder Hinweise für mich?

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Re: Kirchenbücher Radomischel

Gerhard König ⌂, Dienstag, 26.02.2008, 12:24 (vor 6644 Tagen) @ Ralf Fennig

Hallo Ralf,

vorab ein paar Fragen an Dich: welches ist das älteste lesbare Dokument, was Du von Deiner Familie besitzt? Wann war die Einwanderung der einzelnen Familienmitglieder nach Deutschland und in welcher Region?

ob die Inhalte der ev. Kirchenbücher von dort irgendwo archiviert sind -
und ob es Informationen über diesen Ort und seine Umgebung gibt.

Das ev.-luth. Kirchspiel in Radomischl wurde am 15.2.1901 als ständige Adjunktur innerhalb des Kirchspiels Kiew eingerichtet. Am 17.3.1904 erfolgte die offizielle Anerkennung vom Minister für Innere Angelegenheiten.

Dieses Kirchspiel betreute Ortschaften in den Ujesden Radomischl, Kiew und Skwyra im Gouv. Kiew. Von dieser Region liegen uns bisher keine Ortslisten vor.

In der Veröffentlichung von KNJASEWA "Die Lutherischen Kirchen und Kirchspiele in der Ukraine 18.-20.Jhd." (St.Petersburg, 2003, in Russisch; S.106) heißt es zu diesem Kirchspiel weiter:

"Zu diesem Kirchspiel gehörten die Ortschaften: Radomischl, Bystriewka, Werbowka, Negrebowka, Filonowka (Filonsdorf), Romanowka (Romansdorf, Doliwa), Ludwigsdorf (Morogowka), Aleksandrowka I, Mokrez, Jelowka, Jelenowka (Alinowka), Jurewka, Warowsk, Stolpno, Andrejew, Aleksandrowka II, Markowka, Korostyschew, Kasimirowka, Marjanowka, Schnurow Les (Lis), Sadki, Strojewka, Gorodetzkaja (Landwald, Langwald), Aleksandrowka III, Staritzkaja (Wilhelmswalde), Paulinowka, Naliwaikowka-Sawalowka, Julianowka, Marjanowka II, Chabnoje, Ossikowo (Friedrichswalde), Sewerianowka, Nowostrojenije, Orlik, Priborsk, Rusakowskoje Budischtsche."

Die wenigen bisher bekannten Kirchenbücher zu Radomischl findest Du auf unserer Webseite aufgelistet.

Vermutlich existieren auch Zweitschriften bzw. Berichte an das Konsistorium in St.Petersburg. KNJASEWA benennt als ihre Hauptquellen Archivveröffentlichungen über und aus dem RGIA und CGIA in St.Petersburg. (Adressen siehe GenWiki)

Archivalien zu Radomischl im RGIA (lt. KNJASEWA):
Fond 821, Opus 5, Akte 886 - Listen 199, 203, 208, 218, 221
Fond 828, Opus 8-1901, Akte 267
Fond 828, Opus 8-1909, Akte 264
Fond 828, Opus 11-1916, Akte 161
Fond 828, Opus 13, Akte 612, Listen 506-508, Akte 618, Listen 218-219

gerhard

Re: Kirchenbücher Radomischel

Ralf Fennig ⌂ @, Dienstag, 26.02.2008, 13:47 (vor 6644 Tagen) @ Gerhard König

Hallo!

Mit echten Dokumenten sieht es eng aus. Zumal in diesem Familienzweig.

Wo immer mein Großvater konnte (wo es also jemand nicht ganz genau wußte oder nicht zum allerengsten Kreise gehörte) hat er verbreitet sein Geburtsort läge in Ostpreußen - und als mein Onkel zum 75. Geburtstag meines Großvaters in die Zeitung setzte das er in "Alexandrowka/Ukraine" geboren sei kam es gar zum Eklat mit mehreren Monaten "Funkstille" zwischen den Beiden.

Irgendetwas sehr unangenehmes muss mein Großvater mit seiner Herkunft verbunden haben - was das war weiß ich nicht.

Alles was ich schriftlich habe ist die Kopie einer "Ahnentafel" meines Großvaters, auf der dessen Eltern und Großeltern mit ein paar Daten und Ortsnamen aufgeführt sind.
Und das wenige, was mein Vater in 65 Jahren über seine Vorfahren aufgeschnappt hat (oft nur Stichpunkte).

Über den Zeitpunkt, in dem meine Vorfahren nach Ostpreußen ins deutsche Reich gingen, kann ich ebenfalls nichts genaues sagen.
Ich weiß das mein Großvater (wohl am 03.12.) noch 1911 in Radomischel getauft wurde. Da muss die Familie also noch dort gewesen sein.
Ich weiß auch das mein Urgroßvater dann am 02.11.1918 in Hohenwiese (Ostpreußen) verstarb.
Also muss die Übersiedlung irgendwann zwischen 1912 und 1918 stattgefunden haben.

Was das Ganze zusätzlich verwirrend macht ist das meine Ururgroßeltern 1913 in die USA ausgewandert sind und als nähesten Angehörigen "Gustav Fennig" (eben meinen Urgroßvater aus dem Bereich Radomischel) angegeben haben der in Modlin zu erreichen wäre.
Kann also sein das sie sich in "zwei Etappen" nach Ostpreußen bewegt haben. Gesichert ist diese Angabe leider nicht.

Viele Grüße,

Ralf Fennig

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Re: Kirchenbücher Radomischel

Gerhard König ⌂, Dienstag, 26.02.2008, 20:38 (vor 6644 Tagen) @ Gerhard König

Die folgenden Archivalien habe ich im "Findbuch des Russischen Historischen Staatsarchives - 1.Band" gefunden. Zur Redaktion gehörten u.a. Prof. Detlef BRANDES und Elena E. KNJASEWA. ISBN 3-89861-107-8. Erläuterungen zu den einzelnen Kapiteln in Deutsch, die Beschreibung der Archivalien in Russisch.

Archivalien zu Radomischl im RGIA (lt. KNJASEWA):
Fond 821, Opus 5, Akte 886 - Listen 199, 203, 208, 218, 221

Diese Listen beinhalten Schreiben aus der Stadt Radomischl an das Ev.-Luth. Konsistoriums in den Jahren 1899-1903.

Im selben Fond und Opus die Akte 879 (nicht bei KNJASEWA genannt) beinhaltet Schreiben zu Bauvorhaben im Kirchspiel Radomischl in der Kolonie Mokretz.

Zu den Kirchenbüchern vom Kirchspiel konnte ich keine relevanten Einträge finden. Aber es bleibt für Dich ein Versuch, an Elena KNJASEWA zu schreiben. Schau mal in den Leitfaden. Dort findest Du ihre Adresse. Sie kann Deutsch sehr gut lesen.

Fragen nach Namen bzw. Familien kann sie Dir bestimmt nicht beantworten, aber sie kennt beide Archive in St.Petersburg (RGIA und CGIA) und kann Dir vielleicht weitere Details zu den Kirchenbuchduplikaten der Jahre 1892-1917 mitteilen.

gerhard

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Re: Kirchenbücher Radomischel

Gerhard König ⌂, Dienstag, 26.02.2008, 20:57 (vor 6644 Tagen) @ Ralf Fennig

Hallo Ralf,

Irgendetwas sehr unangenehmes muss mein Großvater mit seiner Herkunft
verbunden haben - was das war weiß ich nicht.

Gründe kann es dafür sehr viele geben. Die Region um Radomischl war kirchlich sehr lange Zeit verwaist. Sie gehörte zum Kirchspiel Kiew und die Wege bis zum Pastor waren sehr lang. Die Lutheraner waren im Verhältnis zu den anderen Glaubensrichtungen in der Region um Kiew sehr gering und hatten einen sehr schweren Stand.

In den Gemeinden hatten sie oftmals keine Vertreter und so kann ich mir gut vorstellen, daß die Erlässe der russischen Zarenregierung sehr rasch mit aller Härte in die Tat umgesetzt wurden.

Also muss die Übersiedlung irgendwann zwischen 1912 und 1918 stattgefunden haben.

Wie Du schreibst, siedelte Deine Familie in diesem möglichen Zeitraum nach Ostpreußen und wurde auch dort eingebürgert. Schade, ich hatte gehofft, daß einzelne Familienmitglieder bereits auf heutiges deutsches Gebiet kamen.

So wird Dir vermutlich nur der mühselige und zeitaufwendige Weg in das Kiewer Archiv bleiben. Webseite des Archives in Ukrainisch oder Leitfaden Punkt 5.1.1.

gerhard

Re: Kirchenbücher Radomischel

Dirk Scherlatzik ⌂ @, Freitag, 29.02.2008, 15:33 (vor 6641 Tagen) @ Gerhard König

Hallo Ralf und Gerhard,

mit großem Interesse habe ich diesen Forum Eintrag gelesen, betrifft es doch genau die Region und Zeitspanne in der ich auch suche (Romansdorf/Elowka um 1900).

Frage in die Runde, hat schon jemand von Euch/Ihnen eine Suchanfrage an das Archiv in Kiew gestellt und kann über Erfahrungen und Kosten berichten?
Im Leitfaden wird erwähnt, dass Anfragen über die Deutsche Botschaft in Kiew erfolgreich abgeschlossen wurden. Hat jemand Information hierzu?

Danke und viele Grüße
Dirk

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Forsche im Raum Romansdorf/Elowka - Effenberger - Langner - Scherlatzik (Sedlazek) - Dottslaw (Dozlaw und weitere Schreibweisen)

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Re: Kirchenbücher Radomischel

Gerhard König ⌂, Freitag, 29.02.2008, 18:58 (vor 6641 Tagen) @ Dirk Scherlatzik

Hallo Dirk,

... hat schon jemand von Euch/Ihnen eine Suchanfrage an das Archiv in Kiew
gestellt und kann über Erfahrungen und Kosten berichten?

Die Angaben im Leitfaden stammen aus gesammelten Forscher-Erfahrungen. Zu den Kosten findest Du einzelne Angaben auf der Webseite des Archives (in Ukrainisch).

Für genealogische Anfragen ist eine spezielle Seite "Соціально-правові та генеалогічні запити громадян". Im ersten Abschnitt findest Du die Formulare (RTF-Dateien) für verschiedene Anfragen. Bei Fragen zu Geburten, Heiraten, Sterbefälle nimm das Erste.

Im zweiten Abschnnitt steht etwas mehr zu den möglichen Kosten. "грн." sind Griwna. Ein Währungsrechner sagte mir aktuell, daß 100 Griwna = 16.44 Euro sind.

Im Leitfaden wird erwähnt, dass Anfragen über die Deutsche Botschaft in
Kiew erfolgreich abgeschlossen wurden. Hat jemand Information hierzu?

Erkundige Dich vorher, ob die jeweiligen Kirchenbücher auch vorhanden sind. Je konkreter Deine Anfrage, um so besser. Allgemeine Anfragen - wie, meine Oma ist etwa 1900-1905 im Gouvernement Kiew geboren - erbringen keinen Erfolg. Alle nötigen Informationen haben wir in den Leitfaden geschrieben.

gerhard

Re: Kirchenbücher Radomischel

Udo Erdmann @, Freitag, 29.01.2016, 15:22 (vor 3750 Tagen) @ Ralf Fennig

Hallo, durch Zufall bin ich auf Ihre Seite gestoßen.Ich bin bei meiner Familienforschung stehen geblieben,weil meine Großeltern (mütterl.)
im Ort Langwald geboren sind.Sie hießen Gustav Joch und Pauline Joch
geborene Krüger.Ich weiß soviel,daß mein Ur- Urgroßvater Jakob Krüger
in Holstein (Kiwitten bei Königsberg)1846 geboren ist.Der Großvater
(Karl-Ferdinand Kühn)meines Großvaters ist 1842 in Schönlanke(Posen)
geboren.Mein Urgroßvater Wilhelm Joch ist 1867 in Kasimirowka geboren
und 1908 in Langwald gestorben.Leider fehlen mir Herkunftsdaten von
Familie Joch von vor 1867.
Mit freundlichem Gruß Udo Erdmann

KB Radomischel ** Familie Joch vor 1867

Ansgar Mantey, Freitag, 29.01.2016, 15:43 (vor 3750 Tagen) @ Udo Erdmann

Hall Udo

Dein Wilhelm Joch ???

Joch Friedrich Wilhelm * 5 Sep 1867 Kasimirowka, Kiev
August Joch und Pauline Nabent 1884092-2/1868 64 67

weiteres zu finden in den Kirchenbüchern von Kiew welche in Kiew lagern.
Dort gibt es auch Heiraten ab 1848 ...

mfg

Ansgar

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