Deportation 1915

Angelika Wolter, Samstag, 02.06.2007, 19:03 (vor 6907 Tagen)

Hallo,
mich interessiert die Deportation 1915 aus Wolhynien. In welchem Zeitraum fand sie statt? Kann man bestimmte Daten für bestimmte Orte angeben? Ich meine gelesen zu haben, dass sie Mitte Juli stattfand. Meine Oma ist am 12.Juli 1915 geboren und als Geburtsort wird da noch Julianow-Boratyn angegeben, also müssen sie da noch in Wolhynien gewesen sein. Dann sind sie auch nicht nach Sibirien gekommen, sondern waren während des 1.Weltkriegs in Deutschland, angeblich bei Hannov. Münden. Jetzt ist meine Fragen, wie sind sie nach Deutschland gekommen, waren es Trecks, die nach Deutschland sind oder musste jeder einzeln reisen. Auch stellt sich mir die Frage, warum gerade Hannov. Münden? Waren da noch Verwandte oder gab es einen anderen Grund, gerade dahin zu reisen. Nach dem Krieg sind sie wieder nach Wolhynien zurückgefahren.
Auf jeden Fall muss ihre Ausreise aus Wolhynien nach dem 12. Juli gewesen sein, und da wäre es für eine Flucht ja eigentlich schon fast zu spät gewesen.
Liebe Grüße
Angelika

Re: Deportation 1915

Stefan Grensemann, Montag, 04.06.2007, 15:40 (vor 6905 Tagen) @ Angelika Wolter


Als Antwort auf: Deportation 1915 von Angelika Wolter am 02. Juni 2007 19:03:06:


Hallo, Angelika,
soweit ich weiß, fand die Deportation der Wolhyniendeutschen im Juli 1915 statt.
Familien, die Angehörige in der russischen Armee hatten, durften wohl noch etwas länger bleiben.
Aus Erzählungen meiner Großeltern erinnere ich mich daran, dass sich einige versteckt hielten, als die Familien deportiert werden sollten. Später sind österreichische Truppen eingerückt. Als dann die Front 1916 wieder näher kam, wurden die verbliebenen Wolhyniendeutschen schließlich nach Deutschland evakuiert. Die Familien meiner Großeltern kamen damals nach Ostpreußen, wo Arbeitskräfte in der Landwirtschaft gesucht wurden. Nach dem Krieg gingen sie 1919 nach Wolhynien zurück.
Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiter helfen.
Stefan

Re: Deportation 1915

Angelika Wolter, Montag, 04.06.2007, 20:12 (vor 6905 Tagen) @ Stefan Grensemann


Als Antwort auf: Re: Deportation 1915 von Stefan Grensemann am 04. Juni 2007 15:40:16:


Hallo Stefan,
danke für deine Antwort. Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Urgroßeltern Angehörige in der russ. Armee hatten, muss ich dann also davon ausgehen, dass sie sich versteckt gehalten haben oder gab es auch Orte, die später evakuiert wurden als im Juli 1915? Ob man das irgendwoher erfahren kann, wohin die Wolhyniendeutschen 1916 nach Deutschland kamen? Vielleicht wurden sie auch irgendwie erfasst? Die Eltern meiner Urgrossmutter lebten zu der Zeit in Ostpreußen, eigentlich merkwürdig, dass meine Urgrosseltern dann nicht dahin gegangen sind.
Angelika

Re: Deportation 1915

Inge Wenzel, Mittwoch, 06.06.2007, 06:26 (vor 6904 Tagen) @ Angelika Wolter


Als Antwort auf: Re: Deportation 1915 von Angelika Wolter am 04. Juni 2007 20:12:54:


Ich glaube nicht, daß man generalisieren kann. Meine wolhyniendeutsche
Familie hat zu Beginn des 1. Weltkrieges beispielsweise die letzte Kuh verkauft für Reisegeld für den Familienvater nach Amerika, die Familie
blieb in Wolhynien zurück. Nach dem 1. Weltkrieg kehrte er heim, mittellos, weil man ihm beim Grenzübertritt das verdiente kleine Vermögen abgenommen hatte. Gründe für die Auswanderung waren neben Armut auch die Tatsache, daß er in der Zaristenarmee als Deutscher nicht gegen Deutsche kämpfen wollte und als gläubiger Baptist ohnehin nicht. Diese meine wolhyniendeutsche Familie
blieb bis 1928 in der Gegend um Shitomir, als sie deportiert wurden.

Re: Deportation 1915

Richard Benert @, Donnerstag, 19.07.2007, 21:04 (vor 6860 Tagen) @ Angelika Wolter

Hallo Angelika,

Sie können etwas über die Verschickung aus Juljanow-Boratyn lesen in Josef Weiss, "Heimat auf Zeit" in Wolhynische Hefte, 2. Folge, 1982. Weiss schreibt,S. 48, "Familien, aus denen Männer im russischen Heer dienten, unterlagen zwar nicht dem Aussiedlungsbefehl, aber der Torczyner Pristaw tat ein übriges und liess auch diese Familien hinaustreiben. Sein Amtskollege in Wladimirec [Wladomierz?] wiedrum schickte solche Familien zurück. MIT IHEN SCHLUEPFTEN AUCH EINIGE ANDERE DURCH. Auf dem Rückweg rollte dieKriegswalze über sie hinweg Die Heimat fanden sie von österreichischen Truppen besetzt." Vielleicht waren Ihre Familie unter die "einige andere"?

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