Brandt aus Antonowka (Rozyszcze, Luck)

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Freitag, 15.01.2010, 23:38 (vor 5923 Tagen)

Guten Tag!

Durch einen Todesfall in unserer Familie - mein Patenonkel Heinz Albert Brandt, geb. 23.12.1923 in Löbau/Westpreußen - habe ich alte Urkunden bekommen, die belegen, dass Vorfahren väterlicherseits im o.a. Ort gelebt haben. Lesen kann ich die Urkunden nicht, da sie teils in polnisch und teils in russisch sind und während des III Reiches übersetzt und ganz unterschiedlich beglaubigt sind. Damuss ich mich erst noch einarbeiten!

Nun stehe ich ganz am Anfang auf der Suche nach Wurzeln - welchen auch immer - und würde mich sehr freuen, wenn irgend jemand schonmal auf "Brandt" aus der Region gestoßen ist oder mir was über den Ort sagen kann und ob es ggf. Namens- bzw. Einwohnerlisten gibt.

Mein Großvater hieß Albert Brandt und hat eine Anna Neumann geheiratet. Sie verstarb auf der Flucht 1944/45 an Thyphus und Entkräftung, er weit vor meiner Geburt 1956 in Dorum/Nordfriesland als Knecht bei einem Großbauern an einer Gehirnembolie. Nach unserer Familienerzählung hat er den Verlust seiner Frau und des eigenen Hofes in Löbau/Westpreußen und die Zersteuung der Familie in Ost- und Westdeutschland nicht verkraftet.

Ein Großonkel hieß Waldemar Brandt, seine Frau Erna. Er ist noch in Russland geboren.

Die Familie hat Kaltblüter gezüchtet, was dazu führte, das mein Großvater den Russlandfeldzug als Angehöriger derWaffen-SS mitmachte, weil die den ganzen Pferdebestand beschlagnahmt hatten. Er zog dann auch Uniform an: "Muss ich wohl, wenn ich die Tiere wiedersehen will!", und ging als Stallmeister der Waffen-SS (?) in den Krieg. Er hat die Tiere tatsächlich fast alle retten können und mit nach Friesland genommen, auf der Fluch, immer eine gute Tagesreise vor seiner Frau mit einem 11 jährigem Sohn - meinem Vater - und einer dreijährigen Schwester, die die Flucht auch überlebt hat. Aber das wissen wir alles noch nicht lange. Was davon wirklich gesichert ist?.

Es soll noch zwei Brüder gegeben haben, die im II WK auf Seiten der Wlassow-Armee gegen die Bolschewiken gekämpft haben sollen und dabei, oder nach ihrer Inhaftierung umgekommen sein sollen.

Meines Wissens nach ist meine Familie noch vor dem I WK aus Wolhynien raus. Dabei sind Teile der Familie gegen 1905/1908 wohl nach Kanada oder in die USA ausgewandert. Da habe ich weder Namen, noch Daten. Der Geburtsort "Löbau" meines Patenonkels Heinz spricht ebenfalls dafür.

Mein Vater heißt mit vollem Namen Alfred Erich Oskar Brandt. Mit den Zunamen könnte es eine Bedeutung haben.

Ich freue mich über jeden Tip und Hinweis!

Mit freundlichen Grüßen und Wünschen für ein gutes Jahr 2010

Jürgen Brandt

--
JB

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Re: Brandt aus Antonowka (Rozyszcze, Luck)

Gerhard König ⌂, Freitag, 15.01.2010, 23:53 (vor 5923 Tagen) @ Jürgen Brandt

Hallo Jürgen,

willkommen im Forum und herzliche Grüße nach PCH :-) an Eurer Mühle bin ich mehr als einmal vorbei gefahren.

Brandt aus Antonowka (Rozyszcze, Luck)

Der Ortsname 'Antonowka' gehört zu den häufigsten in Wolhynien. Die Orte in Klammern sind ein Hinweis und Einschränkung. Hast Du weitere Ortsnamen in der Nähe?

Lesen kann ich die Urkunden nicht, da sie teils in polnisch und teils in russisch sind

Dann schick mir mal ein Kopie in die Mailbox.

gerhard

Re: Brandt aus Antonowka (Rozyszcze, Luck)

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Samstag, 16.01.2010, 00:05 (vor 5923 Tagen) @ Gerhard König

Hoppla!

Danke für die rasche Antwort - damit habe ich ja gar nicht gerechnet!

Die Kopien muss ich erstmal einscannen und mich nochmal um die genauen Geburts- und Sterbedaten kümmern!

Die Mühle ist mittlerweile eine wunderschöne Ferienwohnung und wir haben die alte Ruine am Sportplatz (Baujahr ca 1860) gekauft und restaurieren ganz behutsam - Denkmalschutz innen und außen.

So hat das Elternhaus meiner Mutter ausgesehen - eine typische Häuslerei. Sie ist auf einem Johaniter Ordensgut in Seubersdorf im Kreis Marienwerder geboren und mit 10 Jahren von dort auf die Flucht gegangen...

Es dauert ein wenig... dann kommen die Unterlagen!

Gruß

Jürgen

--
JB

Re: Brandt aus Antonowka (Rozyszcze, Luck)

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Samstag, 16.01.2010, 00:34 (vor 5923 Tagen) @ Jürgen Brandt

Ach du heiliger Strohsack!

Ich habe gerade mal angefangen, mich hier und auf einschlägigen verlinkten Seiten einzulesen! Das erschlägt einen Newbie erstmal Aufgrund der Fülle ein großteils erstmal gar nicht einord-und bewertbaren Informationen!

Ich gaube, das wird ein neues, nicht gerade wenig zeitaufwändiges Hobby!

Meine Frau hat gerade eine Aufenbraue hochgezogen ... und in der Schule habe ich nichts darüber gelernt ...

:-)

JB

--
JB

Re: Brandt aus Antonowka (Rozyszcze, Luck)

Manfred Venzke @, Donnerstag, 21.01.2010, 19:23 (vor 5917 Tagen) @ Jürgen Brandt

Lieber Herr Brandt,

ich kann Ihnen weiterhelfen. Das Dorf Antonuwka, das Sie suchen, ist mir bekannt. Eine Ortsskizze mit Einzeichnung des Hauses "Brandt" liegt mir vor. Die Skizze wurde 1994 von der Familie Skleruk aus Miroslawa (dem Nachbardorf) erstellt.

Info: Im Mai 2010 möchte ich mit Pfarrer Behre nach Wolhynien fahren und auch wieder Antonuwka aufsuchen (es gibt auch andere Schreibweisen dieses Ortsnamens). Auf dem dortigen Friedhof liegen meine Vorfahren (Müller, Ritter, Kitzmann).

Ich bin in der Zeit von heute (21.01.2010) bis Sonntag Abend (24.01.2010) unter der Telefon-Nr. *** zu erreichen. Bitte rufen Sie mich an.

Mit heimatlichen Grüßen
Manfred Venzke

---
Moderator: Telefonnummer entfernt.
Kontaktaufnahme ist über das Kontaktformular möglich.

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Re: Friedhof Antonowka (Rozyszcze, Luck)

Gerhard König ⌂, Donnerstag, 21.01.2010, 23:01 (vor 5917 Tagen) @ Manfred Venzke

Hallo Manfred,

Auf dem dortigen Friedhof liegen meine Vorfahren (Müller, Ritter, Kitzmann).

Kannst Du uns ein paar Bilder für unsere Fotosammlung schicken? Zum Beispiel hier würden Deine Fotos sehr gut reinpassen: Grabsteinprojekt auf wolhynien.de


gerhard

Re: Friedhof Antonowka (Rozyszcze, Luck)

Manfred Venzke @, Montag, 25.01.2010, 20:32 (vor 5913 Tagen) @ Gerhard König

Hallo Gerhard,
ich melde mich kurzfristig mit gesonderter Post bei Dir
und verbleibe für heute mit wolhynischen Grüßen.
Manfred Venzke

Re: direkte Linie: Brandt aus Antonowka (Rozyszcze, Luck)

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Sonntag, 24.01.2010, 18:04 (vor 5914 Tagen) @ Jürgen Brandt
bearbeitet von Jürgen Brandt, Sonntag, 24.01.2010, 18:08

Die direkte Linie zu meinen Vorfahren ist aus den Dokumenten rausgepuzzelt. Das, was ich in der schnellen Übersicht für polnisch gehalten habe... sind Übersetzungen und Beglaubigungen aus dem Polnischen ins Sütterlin. Na, das habe ich doch in meinen beiden Kurzschuljahren noch gelernt... vor fast 45 Jahren:

Ich schreibe das mal aus meiner Sicht der Dinge, obwohl mit meinen beiden Söhnen schon die nächste Generation - mit den 24 Jahren Altersunterschied bei den beiden Jungs fast schon zwei weitere Generationen vorhanden sind.

Aber das scheint auch in der Familie zu liegen...


meine Ur-Urgroßeltern:
Michael oder Michal Brand(t), Landwirt
verh.
Amalie Brand(?)t, geb. Martin
wohnhaft Dobromysl (?)

Brandt ist in beiden Schreibweisen vorhanden.

meine Urgroßeltern:
Adolf Brand(t), Landwirt
geb. 06.10.1859 (?) 23.09.1860 (?) beide Daten in den Dokumenten vorhanden
in Dobrymyske, Dobromysil, Dobromysl (?)
gest. und bestattet 06.04.1933
in Löbau, Krs. Löbau bzw. Neumark, Westpreußen

verheiratet mit
Wilhelmine Christine Brandt, geb. Neumann
geb. 24.12.1869 (?) 14.12.1869 (?)
Antiniowka (?) Antonowka (?), Antonufka (?), Stara Antonowka (?)
getauft 26.12.1869
Urkunde 1870 / Nr. 100 Republik Polen, Regierungsbezirk Wolynien, Landratsamt Luzk, Glaubensbekenntnis-Evangelisch-Augsburgisch in Rosischtsche, beglaubigt in Gumbinnen am 02.10.1940
gest. und bestattet 28.08.1927
in Löbau, Krs. Löbau bzw. Neumark, Westpreußen

getraut 14.02.1885 (?)
Rozysze, Wolhynien
(ehem. Standesamt beim evangelischen Pfarramt in Malaki (?) oder Maslaki (?) Nr. 96/1859)

aufgeboten 12. 19. 26 Januar 1886, getraut 04.02.1886 in Rozyszcze durch Pfarrer Kerma (?) gemäß Auszugsübersetzung evangelische Gemeinde Rozyszcze anno 1886 Nr. 110

Eltern von Wilhelmine Christine Brandt, geb. Neumann:
Karl oder Carl Neumann
Luise Neumann geb. Stelzer

meine Großeltern:
Albert Brandt, Landwirt
geb. 24.06.1893
in Gregerowka oder Gregorowka (?) Wolhynien
gest. 19.02.1952, Dorum in Niedersachsen

Anna Brandt, geb. Treptow
geb. 19.11.1897 (Geburtsort unbekannt, kann Wolhynien oder Westpreußen sein)
gest. 18.07.1945 (?) auf der Flucht, Notbegräbnis in polnischer Erde


Teilweise liegen nicht miteinander vereinbare Daten vor.

(?) bedeutet fraglich, weil nicht entzifferbar, verschiedene Schreibweisen in den Dokumenten vorhanden, nicht gesichert, entgegen den Familiengeschichten, zweifelhaft...

Für alle Informationen und Korrekturen bin ich dankbar!


Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Brandt

--
JB

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Re: BRANDT, Michael & MARTIN, Amalie

Regina Steffensen, Montag, 25.01.2010, 19:30 (vor 5913 Tagen) @ Jürgen Brandt

Hallo Jürgen,

ich habe etwas zu Deinen Urur-Großeltern gefunden.

BRANDT, Michael & MARTIN, Amalie

Kinder:
Gustav * 19.10.1868 (getauft) in Boratin, lebt in Julianow † 20.4.1874 Julianow
Gottlieb * 25.8.1871 Julianow † 31.3.1874 Julianow
August * 23.12.1875 Julianow
Ottilie * 29.8.1879 Julianow
[Quelle: "St.Petersburg Archives" der Odessa-Datenbank]

BRAND, Emilie * 1855 Dobromysle, Gouv. Kalisch, konf. 9.6.1872 in Julianow
BRAND, Adolf * 1859 Dobromysle, Gouv. Kalisch, konf. 25.3.1875 in Julianow
BRANDT, Natalie * 1861 Dobromisle, Gouv. Kalisch, konf. 1.6.1877 Helenow
[Quelle: Kirchenbuch Rozyszcze, Konfirmationen]

wohnhaft Dobromysl (?)

Dobromysl / Dobormysle liegt also nicht in Wolhynien, sondern in Polen im Gouvernement Kalisch. Deine Familie ist zwischen 1861 (Geburt Natalie) und 1868 (Geburt Gustav) nach Wolhynien gekommen.

Lt. Datenbank der SGGEE (gebührenpflichtig, nur für Mitglieder zugänglich) haben Michael BRANDT & Amalie MARTIN am 17.6.1853 in Maslaki, Kreis Konin, Polen, geheiratet. Es sind für Michael noch die Eltern und für Amalie mehrere Generationen Vorfahren angegeben, außerdem für beide die Geschwister mit Ehepartnern usw., eine eigene Anmeldung bei der SGGEE würde sich für Dich auf jeden Fall lohnen !!!

Regina

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Re: NEUMANN, Karl & STELTZER, Luise

Regina Steffensen, Montag, 25.01.2010, 20:26 (vor 5913 Tagen) @ Jürgen Brandt

Hallo Jürgen,

hier auch noch etwas zu NEUMANN und STELZER:

NEUMANN, Karl & STELTZER, Luise

NEUMANN, Carl, Landmann aus Antonowka
(Sohn von Gottlieb & Friedricke)
* in Preussen, Regierungsbezirk Köslin, Kreis Rummelsburg, 23 Jahre
oo 17.2. 1867 in Rozyszcze
STELZER, Louise aus Antonowka
* in Polen, Kreis Petrikau, Dorf Janow, 18 Jahre
(Tochter von Martin & Therese)
[Quelle: Kirchenbuch Rozyszcze, Heiraten 1867]

Somit bist Du auch bei NEUMANN und STELZER eine Generation weiter. :yes:

Kinder:
NEUMANN, Wilhelmine * 14.12.1869 (Carl & STELZER, Louise)
NEUMANN, Samuel Gottlieb * 7.1.1877 Antonuwka (Carl & STELZER, Louise)
NEUMANN, Gottfried Emil * 4.10.1879 Antonowka (Carl & STELTZER, Louise)
[Quelle: Odessa-Datenbank]

Regina

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Re: BRANDT, Adolf & NEUMANN, Wilhelmine Christine

Regina Steffensen, Montag, 25.01.2010, 21:14 (vor 5913 Tagen) @ Jürgen Brandt

Hallo Jürgen,

mit einem Dankeschön nach New York an Diethard Kolewe :flower: nachfolgend die Heiratseinträge von BRANDT, Adolf und seiner Schwester Natalie:

BRANDT, Adolph, Ansiedler zu Gregorowka bei Scheppel, Kreis Lutzk
* in Dobromischle, Gouv. Kalisch, 26 Jahre
Sohn von BRANDT, Michael & Ehefrau Amalie geb. MARTIN in Soblotschitz, Kreis Lutzk
oo am 4.2.1886 in Rozyszcze
NEUMANN, Wilhelmine Christine
* in Alt Antonoffka, Kreis Lutzk, 16 Jahre
Tochter von NEUMANN, Carl & Ehefrau Louise geb. STELZER in Alt Antonoffka
[Quelle: KB Rozyszcze, Heiraten 1886, S. 321, Nr, 110]

KINDLEIN, Michael, Arbeiter in Helenow, Kreis Lutzk
* in Marschew, Gouv. Petrikau, 21 Jahre
Sohn des verstorbenen KINDLEIN, Johann Georg & Ehefrau Caroline geb. SCHULZ
oo am 16.1.1890 in Rozyszcze
BRANDT, Natalie aus Helenow, Kreis Lutzk
* in Dobrymisle, Gouv. Kalisch, 28 Jahre
Tochter des BRANDT, Michael & Ehefrau Amalie geb. MACZINSKY [= MARTIN]
[Quelle: KB Rozyszcze, Heiraten 1890, S. 182, Nr. 40]

Regina

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Re: BRANDT, Adolf & NEUMANN, Wilhelmine Christine

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Montag, 25.01.2010, 22:14 (vor 5913 Tagen) @ Regina Steffensen

Liebe Regina!

Nun bin ich völlig sprachlos und muss mir erstmal gescheite Karten besorgen, damit ich das alles finde!

Zunächst einmal ganz, ganz herzlichen Dank für die Unterstützung und Hilfe!

Das muss ich erstmal verarbeiten und auf die Reihe bekommen - zur Zeit habe ich eine fürchterliche Erkältung bei bis zu - 18 Grad C - und unser Zwerg fragt mir mit seinen 3,5 Jahren Löcher in den Bauch nach dem, was mit meinen Großeltern und denen seiner Mama passiert ist!

Und nun sind wir bei den Ur-Ur-Ur-Urgroßeltern von ihm angelangt!

Nochmals Danke, ich freue mich über jeden kleinen Schnipsel... und das mit der Mitgliedschaft werde ich umsetzen!

Liebe Grüße

Jürgen Brandt

--
JB

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Re: STELZER, Daniel - Bruder von Luise

Regina Steffensen, Dienstag, 26.01.2010, 13:59 (vor 5913 Tagen) @ Jürgen Brandt

Hallo Jürgen,

STELZER, Luise hatte einen Bruder Daniel, der 1867 geheiratet hat.

Mit einem Dankeschön:danke: nach New York:

STELZER, Daniel, Landmann, ledig, 21 Jahre
geboren Polen, Kreis Petrikau, Colonie Jannow
Sohn des Landmannes Martin STELZER & Ehefrau Therese aus Antonowka
Vater tot, Mutter lebt,
Lutherischer Konfession
oo am 17.1.1867 in Rozyszcze
KELM, Renate, ledig, 19 Jahre
geboren in der Kolonie Beresalup
Tochter des Kolonisten Johann KELM & Ehefrau Susanne aus Rokin
Eltern leben
Lutherischer Konfession
[Quelle: KB Rozyszcze, Heiraten 1867, S. 93-94, Nr. 6]

Regina

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Re: STELZER, Daniel - Bruder von Luise

Claudia Löbnau @, Dienstag, 26.01.2010, 21:28 (vor 5912 Tagen) @ Regina Steffensen

Moin zusammen,

da jetzt hier der Name Stelzer auftaucht, klinke ich mich mal mit ein.
Sind Kinder aus der Ehe des Daniel Stelzer bekannt?
Ich suche nämlich nach dem ersten Mann meiner Urgroßmutter Albertine geb. Gatzke. Friedrich Stelzer wurde 1887 in Rinow oder Helenow-Beresk geboren und verstarb 1916/19 an den Pocken. Die Daten/Orte stammen aus den Sippenkundl. Fragebogen seines Sohnes Emil *1913, dort tauchen auch beide Orte als Geburtsorte auf. Könnte Daniel der Vater sein?

--
Viele Grüße

Claudia

Re: STELZER, Daniel - Bruder von Luise

Diethard Kolewe @, Dienstag, 26.01.2010, 21:48 (vor 5912 Tagen) @ Claudia Löbnau

Hallo Claudia,

Der Friedrich ist am 21. Juli 1887 geboren ( 1887 Seite 137 # 1099 )--Eltern : Michael Stelzer & Julianne Modro Zur Zeit--Brueder Ludwig 1881-1881; Daniel 31 Aug 1885.

Gruss aus New York,

Diethard

Re: STELZER, Daniel - Bruder von Luise

Claudia Löbnau @, Dienstag, 26.01.2010, 22:10 (vor 5912 Tagen) @ Diethard Kolewe

Vielen lieben Dank Diethard,

Gruß aus dem kalten Norden!

--
Viele Grüße

Claudia

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Re: NEUMANN, Gottlieb & Friedericke

Regina Steffensen, Dienstag, 26.01.2010, 14:13 (vor 5913 Tagen) @ Jürgen Brandt

Hallo Jürgen,

und noch weitere Dokumente aus New York .... :yes:

NEUMANN, Gottlieb & Friedricke

NEUMANN, Gottlieb war 2 x verheiratet, seine 1. Ehefrau Friedericke ist 1881 in Antonowka gestorben.

NEUMANN, Friedicke † 20.3.1881 Antonowka
geboren in Preussen, 70 Jahre alt, Ehemann Gottlieb
[Quelle: Odessa-Datenbank]

1882 heiratet Gottlieb wieder (auffallend der Altersunterschied zur Braut).

NEUMANN, Gottlieb, Witwer, 67 Jahre, in Antonoffka
Ehemann der verstorbenen Friedericke geb. BARZ [unsicher, schlecht lesbar]
oo am 9.2.1882 in Rozyszcze
MEISEL, Eva, ledig, 27 Jahre
geboren in Felixow, Gouv. Petrikau
Tochter des Carl MEISEL & Ehefrau Dorothea geb. BÜLOW
[Quelle: KB Rozyszcze, Heiraten 1882, S. 172, Nr. 12]

NEUMANN, Gottlieb stirbt 1886, nur vier Jahre nach seiner zweiten Heirat.

NEUMANN, Gottlieb Friedrich,
71 Jahre, geboren im Kreis Rummelsburg, Preussen,
Ehemann der Eva geb. MEISEL,
russischer Untertan und Ansiedler in Alt Antonoffka, Kreis Lutzk,
ev.-luth. Konfession
† 16.5.1886 ⌂ 18.5.1886
[Quelle: KB Rozyszcze, Verstorbene 1886, S. 20, Nr. 167]

Die Witwe heiratet wieder im Januar 1887.

BÜLAU, Eduard aus Antonowka, ledig, 22 Jahre
* in Alt-Antonowka, Kreis Lutzk
Sohn des August BÜLAU & seiner Ehefrau Anna geb. SCHULZ
oo am 27.1.1887 in Rozyszcze
NEUMANN, geb. MEISEL, Eva, aus Antonowka, Witwe, 28 Jahre
* in Felixow, Gouv. Petrikau
Ehefrau des verstorbenen Gottlieb NEUMANN
[Quelle: KB Rozyszcze, Heiraten 1887, S. 12, Nr. 35]

Eduard und Eva haben eine gemeinsame Tochter.

BÜLAU, Helene * 13.1.1894 in Antonowka ~ 15.1.1894
[Quelle: KB Rozyszcze, Geburten-Taufen 1894, S. 181, Nr. 1445]

Helene ist später verheiratet mit Ludwig REINHARD.

REINHARD, Ludwig * 16.11.1886 in Karlinowka Rudke ~ 22.11.1886
Eltern: REINHARD, Wilhelm & GRÖNLER, Johanna
[Quelle: KB Rozyszcze, Geburten-Taufen 1886, S. 246, Nr. 2030]

Und dieser Ludwig REINHARD gehört - jetzt wird es lustig - zur Familie von Diethard Kolewe ! ;-)

Regina

--
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Re: NEUMANN, Gottlieb & Friedericke

Ernest Dac @, Sonntag, 15.06.2014, 00:26 (vor 4312 Tagen) @ Regina Steffensen

Und weiter geht's mit einem Sohn des Edaurd Bülau & Eva geb. Meisel dem Gustav Bülau verheiratet mit Caroline Kühn, die geboren ist in Kuczkarówka, Luzk, Ukraina ; und beide miteinander gelebt in Antonówka, Łuck, Polen, Luzk, Ukraine und 6 Kinder gezeugt;
-Adolf Bülau
-Alma Bülau
-Natalie Bülau verheiratet mit ihrem Cousin auch einem waschechten Bülau, ausgewandert nach Argentinien und dort 7 Kinder, auf einem Foto zu sehen, gezeugt..
-Leonhard Bülau
-Alfred Bülau
-Heinrich Bülau
Von allen leben Nachfahren.

Die Eltern der.Caroline Kühn verheiratet Bülau sind: Michael Kühn & Louise Henning (Hennig) aus der 7 bis 8 km entfernten Vorstadt von Luzk, .Kuczkarówka. Die Bülau's sind. zum Einkfaufen in die Stadt Łuck, dann bei meinen Urgroßeltern vorbeigekommen,
Verweisend auf meine Forum-Nachfragen unter: Dac und Kühn & Henni(n)g.

Können Sie mir noch irgendwas mitteilen dazu?

Viele Grüße Ernest Dac.

Re: aufgefächert: Brandt Antonowka

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Sonntag, 24.01.2010, 18:38 (vor 5914 Tagen) @ Jürgen Brandt
bearbeitet von Jürgen Brandt, Sonntag, 24.01.2010, 19:40

Adolf Brandt, 23.09.1859 (?) - 06.04.1933
und
Wilhelmine Christine Brandt, geb. Neumann, 24.12.1969 (?) - 28.08.1927
hatten folgende Kinder, die alle noch in Wolhynien geboren sind:

Emilie Brandt, verheiratete Dymmel
27.06.1892 - 17.10.1969

Otilie Brandt
n.n

n.n.

Theodor Brandt
n.n.

Waldemar Brandt
27.01.07 - verstorben
verheiratet mit
Erna Brandt, geb. Koranske (?), Wolhynien (?, eher nein)

Da mein ältester Onkel Heinz Brandt am 23.12.1923 bereits in Löbau, Krs. Neumark/Löbau geboren wurde, ist es wahrscheinlich, das die Familie zwischen 1907 und 1923 nach West- und Ostpreußen ausgewandert ist, vermutlich sogar noch vor dem WK I. Die separat eingestellten Erinnerungen meines Vaters sprechen auch dafür.

Wahrscheinlich hatten sie bereits Verwandte in der Löbauer Region:

Brandt, Casimir Gultowo Lobau ?? 18113070 6040 242 1374
Brandt, Casimir Guttowo Loebau Kreis Neumark 18113070 6043 52 783

Quelle: http://www.odessa3.org/re-cgi-bin/fsearch

In dieser Zeit sind wohl auch Familenteile in die USA bzw. nach Kanada ausgewandert.

Es kann sein, das Brandts auch noch in der wolhynischen Region verblieben und vor oder im WK II. deportiert wurden.

Meines Wissens nach ist die gesamte Familie evangelisch - Augsburger Bekenntnis.

Ich freue mich über jeden weiteren Hinweis, zumal ich die einzelnen Orte nach wie vor nicht in Zusammenhang bringe.


Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Brandt

--
JB

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Re: Kinder für Adolf BRANDT & Wilhelmine Christine NEUMANN

Regina Steffensen, Dienstag, 26.01.2010, 14:03 (vor 5913 Tagen) @ Jürgen Brandt

Hallo Jürgen,

Adolf Brandt ... und Wilhelmine Christine Brandt, geb. Neumann ...
hatten folgende Kinder, die alle noch in Wolhynien geboren sind

Diethard Kolewe hat noch einige Kinder für Adolf BRANDT & Wilhelmine Christine Neumann gefunden und war so nett, mir die Unterlagen zuzusenden.:cool:

BRANDT, Rudolf * 24.2.1888 in Gregorowka ~ 28.2.1888
BRANDT, Emma * 2.4.1891 in Gregorowka ~ 18.4.1891
BRANDT, Emilie * 14.6.1892 in Gregorowka ~ 18.6.1892
BRANDT, Albert * 24.6.1892 in Gregorowka ~ 26.6.1893
BRANDT, Theodor * 16.1.1896 in Gregorowka ~ 24.1.1896
BRANDT, Ottilie * 12.3.1898 in Gregorowka ~ 13.3.1898
[Quelle: KB Rozyszcze]

Bei Ottilie heißt die Mutter allerdings "Justina" NEUMANN, aber mit den Vornamen haben die Pastoren es nicht immer so genau genommen.

Regina

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Re: Kinder für Adolf BRANDT & Wilhelmine Christine NEUMANN

Martina Kreuter @, Mittwoch, 29.09.2010, 03:51 (vor 5667 Tagen) @ Regina Steffensen

Ottilie Brandt ist die Schwester meiner Oma Emilie Dymmel geb.Brandt.
Ich hab ein Foto von meiner Oma und Ottilie gesehen.
Laut Aussage meine Tante Selma Becker geb. Dymmel ist sie von einem Rind auf die Hörner genommen worden und an den Verletzungen gestorben.

Re: Kinder für Adolf BRANDT & Wilhelmine Christine NEUMANN

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Mittwoch, 29.09.2010, 17:04 (vor 5666 Tagen) @ Martina Kreuter

Hallo!

Das paßt alles zusammen!

Wir haben die selben Vorfahren! Freue mich sehr...

Gibt es das Foto noch? Kannst Du mir einen Abzug oder einen Scan davon zukommen lassen?

Liebe Grüße

Jürgen

--
JB

Re: Kinder für Adolf BRANDT & Wilhelmine Christine NEUMANN

Christian Liebscher @, Montag, 18.07.2011, 19:12 (vor 5374 Tagen) @ Jürgen Brandt

Lieber Jürgen Brandt,

Regina Steffensen informierte mich am 16.7. 2011, dass Ottilie Dürr, geboren am 18.Juli 1896, heute vor 115 Jahren, eine Taufpatin namens Christine Brandt hatte. Ich vermute, dass es sich dabei um die von Dir erwähnte Vorfahrin handeln könnte. Die Taufe fand in Elisabetpol im Kirchspiel Wladimir- Wolinsk statt.
Für mich ist das interessant, da aus der Kinder- und Jugendzeit von Ottilie Dürr nichts bekannt ist. Da ist natürlich auch eine Taufpatin interessant. Sollte sich das bewahrheiten, wäre es zumindest etwas.
Ottilie Dürr hat offensichtlich bereits im ersten Weltkrieg mit ihrer Familie Wolhynien verlassen, ab 1920 lebte sie in Westpreußen und ab 1929 in Brandenburg.

Re: Erinnerungen meines Vaters Alfred Brandt

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Sonntag, 24.01.2010, 23:28 (vor 5914 Tagen) @ Jürgen Brandt
bearbeitet von Jürgen Brandt, Sonntag, 24.01.2010, 23:56

Während mein Großvater Albert Brandt 1893 noch in Gregorowka Wolhynien geboren ist, kam mein Vater 1933 bereits in Löbau, Kreis Neumark/Löbau, Westpreußen als 3. Junge von fünf Kindern zur Welt. Das vierte Kind, eine Schwester starb sehr früh und das letzte Kind Christel war dann nochmal eine Schwester - das wohl ganz besonders von der Mutter ersehnte Mädchen!

So wie ich mit vielen Sehnsüchten, Wiedersprüchen, Erzählungen und ohne es zu merken auch Traditionen aufgewachsen bin und die Traumatisierung gespürt und erfahren habe, die Vertreibung und Verlust der westpreußischen Heimat, das Kappen der Wurzeln für meine Eltern und ihre Geschwister bedeutete, wird die Generation meines Vaters diesen Verlust der wolhynischen Heimat, die Traumatisierung und Sehnsucht bei ihren Eltern, Onkeln und Tanten gespürt haben, viel mehr noch, als ich, der schon mit Zeitung, Rundfunk und Fernseher aufgewachsen bin und nicht die dunklen, eisigkalten Abende und Nächte am Herd- oder Kaminfeuer erlebt habe, den Geschichten der Eltern und Großeltern, der Gäste und Verwandten aus der kalten Heimat lauschend, die noch viel weiter im Südosten in einer anderen Zeit längst verloren und vergangen war.

Es sind die ganz persönlichen Erinnerungen eines Menschen, der mit 11 Jahren mit seiner Mutter und der kleiner Schwester auf die Flucht ging und die Mutter in fremder Erde begraben und zurücklassen mußte.

1975 waren wir erstmals wieder in der alten, nun polnischen Heimat und haben versucht, das Grab zu finden. Es ist meinem Vater 30 Jahre später aus dem Gedächnis heraus gelungen. Die Gegend ist mit der, in der ich heute in Mecklenburg lebe gut vergleichbar. Hügelig, vielfach bewaldet, sehr einsam... Das Grab liegt auf einem völlig überwaldeten Hügel, einem ehemals evangelischen Friedhof, von dem nur noch ein paar uralte gusseiserne Grabkreuze, das jüngste von 1858 datiert und ein paar steinerne Grabumrandungen zeugten. Von Dörfern, Weilern, Menschen weit und breit keine Spur!

Mein Vater fand das Grab nur noch, weil an seinem Kopfende eine in der Gegend sehr seltene, auf dem Friedhof einmalige Blautanne empor ragte, die sich als kleine Tanne in sein Gedächnis eingeprägt hat. Ein stattlicher Baum war sie geworden und ich glaube nicht, dass sie heute noch steht... Ob noch irgend etwas heute dort daran erinnert, das hier Menschen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben? Ob ich das Grab noch finden würde? Die nächsten 35 Jahre sind ins Land gegangen..., aber sein schlichtes, stilles, leises: "Hier liegt meine Mutter...!", werde ich nie vergessen.

Es sind die ganz persönlichen Erinnerungen meines Vaters, von viel Leid, Unrecht und Verlusten geprägt, aber auch davon, dass es Menschen gab, die sich ihre Menschlichkeit und ihren Glauben bewahrten, indem sie anders dachten und handelten, als sich in den Kategorien Deutsch und Polnisch voneinander abzugrenzen... auf beiden, auf allen Seiten.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!

Von daher richten sich diese Erinnerungen nicht - das ist einer anderen Instanz überlassen, wenn sie es denn will... - gegen andere Menschen, gegen niemanden...

Sie sind nur ganz einfach und ganz persönlich:


Erinnerungen an meine Kindheit in Löbau

Als Löbau 1920 zu Polen kam, votierten meine Großeltern väterlich und meine Eltern für Polen. D.h., sie nahmen die polnische Staatsangehörigkeit an, damit es ihnen – Mutter ausgenommen – als Wolynien - Deutsche nicht noch einmal so erging wie im 1. Weltkrieg, als sie ihren Hof an Russland verloren, Löbau ihre neue Heimat wurde.

Zwei Schwestern und ein Bruder meines Vaters wollten sich nicht dem polnischen Zwang beugen, verließen Westpreußen und fanden eine Heimstatt in Ostpreußen – so wie die komplette Familie meiner Mutter – sie natürlich ausgenommen – die Tergewisch verließ.

Onkel Waldemar, ein Bruder meines Vaters, damals 12-jährig blieb natürlich in Löbau – bis 1939. In Polen heranwachsend, unterlag er unter anderem der Militärpflicht, d.h. er musste beim polnischen Militär dienen. 1939 machte Polen mobil. Das war das Signal für ihn und seine Frau, sich nach Ostpreußen abzusetzen. Damit entzog er sich dem polnischen Gestellungsbefehl.

Es bedarf nicht vieler Fantasie, sich vorzustellen, dass ab 1920 die Uhren für die Deutschstämmigen anders gingen. Ich erinnere mich einer Begebenheit im November 1938: Mein Bruder Helmut und ich hielten Ausschau nach dem Storch, der uns ein Geschwister bringen sollte, unsere Schwester. Bei ihrer Namensgebung hatten meine Eltern darauf zu achten, dass der Name ins Polnische übersetzt werden konnte. Das Standesamt trug nur polnische Vornamen ins Register ein. Aber das war nicht alles. Die Polonisierung von Namen – auch Nachnamen – zog weitere Kreise und hatte gelegentlich komische Züge (mit für uns bitterem Beigeschmack): Post aus dem Reich an meinen Vater, mit Vornamen und Nachnamen, wurde korrigiert. Sein Vorname, Albert, war durchgestrichen. Man zwang ihn, sich Woidek zu nennen. Wolle er den Rufnamen Albert beibehalten, müsse er nach Deutschland auswandern, wie man ihm bedeutete.

Da die Stimmung gegen Deutschland wenig gut war, war sie auch nicht gut gegen die Bürger deutscher Herkunft. Sie wurden bespitzelt. Gewarnt, verhielt man sich entsprechend. Unser Hof lag abseits des Ortes, d.h., wer uns daheim belauschen wollte, musste einen Spaziergang auf sich nehmen. Man ist oft zu uns spaziert. Fußspuren haben die Lauscher unter unseren Fenstern, unter denen abends stets der Boden geharkt wurde, entlarvt. Nachbarn hatten es uns gesteckt, Polen! D.h. nicht alle Polen waren gegen uns! Ich habe noch immer das Bild vor Augen, als ein Nachbar – ein Pole – mit der Peitsche Polinnen von unserem Kornfeld vertrieb, die Ähren von den Garbenhocken schnitten.

Im Sommer 1939 erlebte die Garnisonsstadt Löbau eine große Parade. Ich erinnere mich besonders an die Teilnahme einer Kavallerieabteilung, bewaffnet mit Lanzen und Degen. Das war wohl ein Vorbote für den 31.8.1939. Da erschienen drei bewaffnete Soldaten auf Fahrrädern bei uns auf dem Hof, sprachen kurz mit unserem Vater und bezogen – wohl des guten Sichtfeldes nach Bischwalde wegen – Stellung in unserem Kartoffelfeld. Unterstützend flog ein kleines Militärflugzeug ziemlich tief zweimal die Gegend ab. Der Spuk fand ein Ende, als ein vierter Soldat, sehr eilig, seine drei Kameraden vom Feld holte. Am 1.9.39, gegen 6 Uhr, erfuhr mein Vater von einem Nachbarn, deutsche Soldaten seien in der Stadt. Diese Nachricht erschien meinem Vater unglaubwürdig – es war kein Schuß gefallen, ganz zu schweigen von Kampfhandlungen. Doch sie stimmte. Die polnischen Soldaten hatten offenbar die Stadt rechtzeitig verlassen.

Die Straße von Bischwalde nach Löbau war ein paar Tage voll von Kolonnen deutscher Soldaten – Rheinländer und Westfalen. Wir waren frei und durften wieder deutsch sein, deutsch nicht nur in der Familie und der ev. Kirche reden, sondern in der Öffentlichkeit – ohne Angst zu haben.

Angstfrei sahen viele Polen die neue Situation gewiß nicht. Diejenigen, die sich 1920 deutschen Eigentums bemächtigt hatten, mussten es zurückgeben. Diejenigen, die sich Deutschen gegenüber etwas zu schulden hatten kommen lassen, verloren ihren Besitz. Sehr hart traf es die jüdische Bevölkerung. Sie wurde abtransportiert, ihre Synagoge wurde zerstört und ihr Friedhof zu Ackerland gemacht.

Ein großer Teil Polen, die wir kannten, wollten „eingedeutscht“ werden. Dazu bedurften sie des Nachweises eines deutschen Vorfahren und der Führsprache eines Löbau-Deutschen. Damit hatten sie als Volksdeutsche die gleichen Rechte und Pflichten wie ein Deutscher. Das bedeutete damals, sie konnten zur Wehrmacht eingezogen werden und mussten u.U. im Kampf ihr Leben lassen.

All die beschriebenen Verwaltungsakte gingen von deutschen Beamten aus, die mit ihren Familien aus dem Reich gekommen waren und alle Verwaltungsstellen besetzten. Es galt wieder deutsches Recht.

Das Leben ging nach ein paar Wochen scheinbar seinen normalen Gang, zumindest für mich. Nach ½ Jahr Kindergarten kam ich 1940 mit 7 Jahren in die Schule. 9-jährig fuhr ich mit dem Zug von Löbau zur Erholung in ein Kinderheim am Frischen Haff – meine erste Trennung von der Familie.

Obwohl noch keine 10 Jahre alt – das vorgeschriebene Eintrittsalter – ging ich zum Jungvolk. Ich wollte meinen Brüdern nicht allzu sehr nachstehen – der eine war bei der HJ, der andere Soldat. Außerdem reizte die Uniform. Und Spaß hat mir die Mitgliedschaft bei Sport und Spiel auch noch gemacht.

Im Herbst 1944 ging die scheinbare Ruhe, die 39 eingekehrt war, zu Ende. Wir Schulkinder mussten zur Kartoffelernte, Bauernfuhrwerke holten uns ab. In der Kaserne mussten wir Strohsäcke mit Stroh füllen, weil die Soldaten – Marineinfanteristen – die sich nur kurze Zeit zur Ausbildung in Löbau aufhielten, dazu nicht kamen. Die Bauern mussten im Kreisgebiet Gespanndienste leisten. Ich erinnere mich, wie mein Bruder und ich gelegentlich nach einer solchen Verrichtung in die Dunkelheit kamen und nur mit großer Mühe nach Hause fanden, wo unsere besorgten Eltern auf uns warteten. Ihre Sorge war begründet, die Straßen waren nicht mehr sicher.

Im Dezember 1944 wurde die Schule zum Teil als Lazarett genutzt oder als Unterkunft. Im Januar 1945 zogen die ersten Flüchtlingstrecks durch die Stadt. Und dann ging es los Straßensperren, Erdunterstände und Schützengräben anzulegen. Unser Feld wurde dabei nicht geschont. Die Arbeit war schwer, der Boden war hart gefroren.

Unser Vater war zu der Zeit fast nur noch auf dem Amt. Am 18. Januar 1945 kam er so gegen 10 Uhr nach Hause und sagte, wir sollten den Wagen fertig machen und für die Flucht packen. Am 19. Januar 1945, gegen 8 Uhr, kamen 3 Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr auf den Hof und gaben das Zeichen zur Abfahrt. Der Hofhund, der mitkommen sollte, blieb am Zaun stehen und schaute uns nach.

Unser Vater hat sich von uns auf dem Marktplatz von Löbau verabschiedet. Seine letzten Worte, zur Mutter gewandt, waren: „Wird es ein Wiedersehen geben?“ Dann ging der große Treck los, Angst und Gefahren lagen vor uns.

Meine Eltern sollten sich nicht wiedersehen!


Alfred Brandt
(geb. 11.04.1933, JB)

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JB

Re: Erinnerungen meines Vaters Alfred Brandt

Martina Kreuter @, Dienstag, 28.09.2010, 22:04 (vor 5667 Tagen) @ Jürgen Brandt

Hallo Jürgen,
mein Name ist Martina Kreuter, ich bin 52 Jahre und wohne in Leverkusen
Meine Mutter ist die Cousine deines Vaters. Sie heißt Lilli Kreuter geb. Dymmel und ist die Tochter von Emilie Dymmel geb. Brandt.
Deinen Onkel Heinz kenne ich persönlich, er hat mir viele Unterlagen über die Brandt Familie geschickt.
Ich kann mich noch gut an Emilie Dymmel, meine Oma erinnern. Sie hatte immer schwarze Kliedung an uns sah wie so ein richtiges russisches altes Mütterchen aus.
Ich habe mit der Familienforschung 2001 angefangen,mich aber mehr auf die Dymmelsche Seite konzentriert.
Meinen alte Tante Selma konnte ich noch viel befragen.Sie ist 1914 geboren und hat eine Weile bei unseren Urgroßeltern gewohnt.
Ich werde mal in ihren Aufzeichnungen nachsehen, was sie zur Brandt Familie geschrieben hat und kann das gerne zusenden.
Liebe Grüße
Martina

Re: Erinnerungen meines Vaters Alfred Brandt

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Mittwoch, 29.09.2010, 14:00 (vor 5667 Tagen) @ Martina Kreuter

Liebe Martina!

Danke für die Informatonen!

Ich habe Dir eine remail geschickt. In den Unterlagen meines verstorbenen Onkels Heinz fnden sich zahlreiche Querverweise auf Verwandtschaft. Das wird eine lange, spannende Winterarbeit, das auszuwerten! Ich muss erstmal wieder Sütterlin lernen...

Liebe Moderatoren!

Ich würde gerne einen bebilderten Beitrag über unsere Wolhynienreise in der ersten Jahreshälfte d.J. für das Forum schreiben. Es bestände auch die Möglicheit, den Beitrag zusäzlich auf englisch zu übersetzen. Kann das hier irgendwo eingestellt werden?

Gruß

Jürgen

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JB

Re: Erinnerungen meines Vaters Alfred Brandt

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Mittwoch, 29.09.2010, 14:03 (vor 5667 Tagen) @ Jürgen Brandt
bearbeitet von Jürgen Brandt, Mittwoch, 29.09.2010, 14:13

Wolhynische Impressionen

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Eines der typischen Häuser, wie sie auch schon unsere Vorfahren bewohnt haben ... damals noch ohne Strom und Wasser...

In Friedrichsruhe in Mecklenburg - wo wir jetzt wohnen - ist der abgelegene Ortsteil "Friedrichsruhe Dorf" erst 1956 elektrifiziert worden.

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JB

Re: Erinnerungen meines Vaters Alfred Brandt

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Mittwoch, 29.09.2010, 14:08 (vor 5667 Tagen) @ Jürgen Brandt

Wolhynische Impressionen

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Zugewachsenes Gräberfeld

Nicht nur die alten deutschen Gräber wachsen zu, auch polnische, tschechische, litauische, ukrainische und russische Gräber verschwinden nach und nach unter dem naürlichen Grün. Das ist nicht bei allen Friedhöfen so, aber bei vielen und unabhängig davon, wer dort bestattet wurde!

Das Bild zeigt den Friedhof von Zchepl, auf dem wohl auch Vorfahren von mir begraben sind.

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JB

Re: Erinnerungen meines Vaters Alfred Brandt

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Mittwoch, 29.09.2010, 14:28 (vor 5667 Tagen) @ Jürgen Brandt
bearbeitet von Jürgen Brandt, Mittwoch, 29.09.2010, 14:43

Wolhynische Impressionen

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Durch den Obstgarten erst geht es zum weit hinten liegenden Haus!


Eine Struktur, die man bei den einzelnd an einem Feldweg liegenden Gehöften, aber auch bei den Gehöften, die wie eine Perlenschur aufgereiht - aber mit ordentlichem Abstand zum Nachbarn - an einem Feld- oder Verbindungsweg zum nächsten Dorf immer wieder vorfindet.

Die Dorfstrukturen selbst und die der Anger- bzw. Weilergehöfte oder -dörfer sind etwas anders.

Der hier lebende Bauer kannte noch das vor 30 Jahren in den Wald abgeschobene Dorf, oder besser den Weiler Gregerowka, auf dem meine Vorfahren gesiedelt haben. Er wurde im Rahmen der Kollekivlandwirtschaft vor ca. 30 Jahren als "unbewohnt" in den nahegelegenen Wald samt Friedhof abgeschoben, um riesige Schläge Ackerland zu gewinnen. Eine Eßkastanie - nicht für die Gegend gewöhnlich - und Kirschbäume zeigten am Waldesrand an, dass hier mal etwas ganz anders war...

Der Bauer, auf dem Gehöft wohnte, zeigte auf andere, noch bestehende Gehöfte: "Dort wohnten Deutsche, dort Ukrainer, dort Juden, dort wieder Deutsche, dort auch, dort Polen und dann Ukrainer und dort nochmal Juden und dann wieder Ukrainer und dort die Russen. Und alle waren Freunde und alle haben sich verstanden und geholfen und dann kam der Krieg. Und dann waren hier nur noch Ukrainer und Russen. Dabei haben die anderen doch immer dazu gehört... auch die Deutschen...!"

Ich möchte diese Aussage des Bauern, einfach für sich stehen lassen...

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JB

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Re: Bericht Wolhynienreise

Gerhard König ⌂, Mittwoch, 29.09.2010, 14:36 (vor 5667 Tagen) @ Jürgen Brandt

Hallo Jürgen,

Ich würde gerne einen bebilderten Beitrag über unsere Wolhynienreise in der ersten Jahreshälfte d.J. für das Forum schreiben.

Wie wäre es mit dem VolynWiki? Dort haben wir einen Abschnitt "Reisen in die Ukraine". Vor wenigen Tagen meldete sich ein Reisender bei uns und will demnächst die ersten Seiten schreiben.

Dort kann ich Dir gern Schreibrechte geben und eine erste Seite zum Editieren vorbereiten. Bilder können auch hochgeladen und eingebunden werden. Wenn einverstanden, dann schreibe mir.

Es bestände auch die Möglicheit, den Beitrag zusäzlich auf englisch zu übersetzen.

Kein Problem. Eine solche Seite kann direkt mit der deutschen Version verlinkt werden.

gerhard

Re: Bericht Wolhynienreise

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Mittwoch, 29.09.2010, 14:54 (vor 5667 Tagen) @ Gerhard König

Hallo Gerhard!

Danke für die rasche Antwort und den Hinweis! Ich habe eine handvoll Impressionen hier bereits eingestellt. Wenn Euch die Qualität gefällt, schreibe ich im Herbst gerne einen umfangreicheren Beitrag, bei dem der Schwerpunkt auf "persönlich" und den Bildern liegen wird!

Die Seite übersetzt meine Frau dann auch ins englische für Freunde der Ukraine und Wolhyniens in Kanada, den USA der sonstwo, wo diese Sprache verstanden wird.

Gruss

Jürgen

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JB

Re: Erinnerungen meines Vaters Alfred Brandt

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Mittwoch, 29.09.2010, 14:40 (vor 5667 Tagen) @ Jürgen Brandt

Wolhynische Impressionen

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Wie schon unsere Vorfahren dies taten, wird teilweise noch heute das Feld beackert. Die Frau geht neben dem angespannten Pferd oder einem Ochsen im Flug und führt, der Mann hinten und lenkt den Flug bzw. drückt ihn in den Acker.

Oder man stoppelt gemeinsam Kartoffeln oder Zwiebeln, hackt Rüben...

Hier konnte ich noch Bilder sehen, die ich ansonsten nur aus den Erzählungen unserer "alten Leute" kannte!

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JB

Re: Erinnerungen meines Vaters Alfred Brandt

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Mittwoch, 29.09.2010, 14:49 (vor 5667 Tagen) @ Jürgen Brandt

Wolhynische Impressionen

[image]

Ein Weg, der in die Weite Wolhyniens führte und an dessem Ende ich hoffte, Gregerowka zu finden.

Den Weg sind vermutlich schon Vorfahren der Brandt`s mit dem Panjewagen gefahren, gelaufen, geritten...

Wir hatten einen sehr mutigen Taxifahrer! Er führ mit seinem Opel Astra in diesen Weg hinein. Zweimal mussten wir aussteigen, einmal auch schieben... aber er lachte immer nur und meinte: "Ihr müßt da hin...!"

Danke!

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JB

Re: Erinnerungen meines Vaters Alfred Brandt

Els Günther @, Dienstag, 25.11.2014, 22:44 (vor 4148 Tagen) @ Martina Kreuter

Hallo Martina Kreuter,

Ganz zufällig fand ich Ihre Name und das Sie beschäftigt sind met die Familienname Dymmel. Die großmutter von meinem Mann hieß Alma Dymmel, geboren: 19.08.1903 in Lotz. Polen. Sie hat nach dem Krieg Ihre Tochter erzählt das sie Jude war, aber alle beweise vernichtet hatte und selbst Gelt bezahlte um Documenten vernichten zu lassen. Wissen Sie vielleicht ob das stimmt, und sie wirklich Jüdisch war?
Wir möchten es gerne wissen. Ich bin selbst Holländerin, verzeih mir mein Deutsch!
Vielen dank für die Mühe.

Herzliche Grüße,

Els Günther

Re: Erinnerungen meines Vaters Alfred Brandt

Martina Kreuter @, Mittwoch, 26.11.2014, 17:33 (vor 4147 Tagen) @ Els Günther

Hallo liebe Frau Günter,
meine Familie kommt ursprünglich aus der Nähe von Lodz, Pabianice in Polen.
Eine Alma Dymmel sagt mir nichts. Die Dymmels waren nicht jüdisch, sondern Baptisten.
Aber um jüdisch zu sein , muss ja die Mutter Jüdin sein. Von daher kann sich das ja eventuell um eine Mischehe gehandelt haben.
Leider konnte ich Ihre Frage jetzt nicht beantworten. Ganz herzliche Grüße nach Holland. Eine gesegnete Weihnachtzeit wünscht Ihnen
Martina Kreuter

Re: Brandt aus Antonowka (Rozyszcze, Luck)

Ingeborg Schiemann @, Donnerstag, 11.03.2010, 14:37 (vor 5868 Tagen) @ Jürgen Brandt

Lieber Jürgen, in Elisabethpol gab es um 1896 eine Familie Brandt. Vielleicht ist das für Dich interessant. Grüße von I. Schiemann. P. S. Meine Mutter ist in E-pol 1896 geboren.

Re: Brandt aus Antonowka (Rozyszcze, Luck)

Jürgen Brandt @, 19374 Goldenbow/Pch, Mittwoch, 24.03.2010, 14:17 (vor 5856 Tagen) @ Jürgen Brandt

Nach Urlaub & OP wird es Zeit:

Zunächst einmal ganz, ganz herzlichen Dank für die viele Unterstützung bei meiner Familien- & Wurzelsuche!!! Ich melde mich bei allen noch persönlich, wenn das Schreiben wieder leichter fällt!

Die Unterlagen für die Wolhynienreise Ende mai, Anfang Juni sind angekommen... die Anzahlung geleistet. Bis zur Fahrt bin ich auch wieder fit!

Herzliche Grüße

J. Brandt

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JB

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