Aussiedlung aus Wolhynien

Waldemar Wilzer @, Freitag, 18.09.2009, 09:23 (vor 6078 Tagen)

Hallo Wolhynienforscher,

beim Studium der Kirchenbücher 1941-1943 aus dem Raum Shitomir sind folgende Fragen hochgekommen:
1939/40 haben infolge des Hitler - Stalin - Paktes Aussiedlungen auch aus Wolhynien stattgefunden.

- Betraf dieses Ost-wie Westwolhynien u. wiviel Prozent in etwa waren es,denn der Rest ist ja dann 43 ausgesiedelt?

- gibt es Erkenntnisse darüber, ob es Familien gab, die mit der Bestzung des Landes durch die deutschen Truppen wieder zurück nach Wolhynien gegangen sind?

In der mir zur Verfügung stehenden Literatur konnte ich bisher keine eindeutigen Antworten finden.

Gruss Waldemar

Re: Aussiedlung aus Wolhynien

Harry Tietz @, Freitag, 18.09.2009, 23:30 (vor 6078 Tagen) @ Waldemar Wilzer

...mir zur Verfügung stehenden Literatur konnte ich bisher keine eindeutigen Antworten finden...


Hallo Waldemar :-) ,

leider kann ich Dir keine Antwort auf Deine Frage geben. Mich würde jedoch interessieren um welche Bücher (Buchtitel) es sich dabei handelt, und ob die Bücher noch lieferbar sind.

Gruß Harry

Re: Aussiedlung aus Wolhynien

Stefan Grensemann, Samstag, 19.09.2009, 21:02 (vor 6077 Tagen) @ Waldemar Wilzer

Hallo, Waldemar!
Die Deutschen aus Westwolhynien,die ja polnische Staatsangehörige waren, wurden 1939/40 entsprechend der Vereinbarung vom Hitler-Stalin-Pakt in das Deutsche Reich und zwar fast alle in den Warthegau ausgesiedelt.
Die Deutschen aus Ostwolhynien hingegen, die ja sowjetische Staatsangehörige waren, kamen beim Vormarsch der Wehrmacht unter deutsche Beatzung. 1943 /44 beim Vormarsch der Sowjetarmee wurden sie nach Deutschland, ebenfalls in den Warthegau evakuiert.
Meines Wissens gab es keine Rückwanderung während des Krieges nach Westwolhynien. Ziel der nationalsozialistischen Politik war es ja, den Warthegau zu germanisieren. Das war auch ein Grund, warum verschiedene deutsche Minderheiten aus Osteuropa dorthin ausgesiedelt worden waren.
Eine Rückwanderung hätte diesem Ziel geschadet.
Gruß!
Stefan

Re: Aussiedlung aus Wolhynien

Peter Plischewski †, Sonntag, 20.09.2009, 18:22 (vor 6076 Tagen) @ Waldemar Wilzer

Hallo liebe Forscher !

Vielleicht kann ich euch mit Literatur Angaben helfen ! Das Buch heisst : Die Umsiedler von Ortfried Kotzian und ist im Langen Müller Verlag erschienen und soweit ich weiss noch zu bekommen .

Mit freundlichen Grüssen
Peter Plischewski

Re: Aussiedlung aus Wolhynien

Waldemar Wilzer @, Montag, 21.09.2009, 09:07 (vor 6075 Tagen) @ Waldemar Wilzer

Hallo Wolhynienforscher!

beim Studium der Kirchenbücher

- es handelt sich hierbei um kein Buch, sondern um priv. Aufzeichnungen eines Pfarrers.

- mir ist völlig klar, dass die Deutschen in Ostwolhynien die sowj.Staatsbürgerschaft besassen. Trotzdem wollte ich wissen, ob es infolge des Hitler/Stalin-Abkommen Aussiedlungen in den Warthegau oder wohin auch immer gegeben hat, und wenn ja, ob es von diesen wieder Rückkehrer gegeben hat(sei es aus familiären Gründen, oder Sehnsucht nach der Heimat).Die Bedingungen hatten sich in Ostwolhynien ja grundlegend geändert.

Gruss Waldemar

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Re: Aussiedlung aus Wolhynien

Gerhard König ⌂, Freitag, 25.09.2009, 02:43 (vor 6071 Tagen) @ Waldemar Wilzer

Hallo Waldemar,

Ostwolhynien ... ob es infolge des Hitler/Stalin-Abkommen Aussiedlungen in den Warthegau ... gegeben hat

Nein. Neben der bereits empfohlenen Literatur kannst Du auch bei der Dissertation von Stefan DÖRING "Die Umsiedlung der Wolhyniendeutschen in den Jahren 1939 bis 1940" nachlesen. Herr DÖRING nennt nur Orte im ehemaligen Polnisch-Wolhynien.

ob es von diesen wieder Rückkehrer gegeben hat (sei es aus familiären Gründen, oder Sehnsucht nach der Heimat).

Ganz bestimmt nicht. Die ursprünglichen Strukturen der ehemaligen Kolonien existierten schon einige Jahre nicht mehr. Ein Stichwort wäre beispielsweise die Zwangskollektivierung in der Ukrainischen SSR.

Ein weiteres Stichwort wären die umfangreichen Opferlisten des Stalin-Terrors bei Memorial. siehe: Жертвы политического террора в СССР (in Russisch)

Die Bedingungen hatten sich in Ostwolhynien ja grundlegend geändert.

Hier mögest Du Recht haben. Die deutschen Truppen wurden in der Ukraine mit offenen Armen empfangen. Die ukrainische Bevölkerung verknüpfte den deutschen Einmarsch mit der Hoffnung auf die eigene Unabhängigkeit.

Leonhard KREMRING schreibt in seiner Biographie über diese Zeit:

"Am 1. September 1941 wurde von der deutschen Besatzungsbehörde in meinem Heimatdorf (Fassowaja Rudnja) wieder eine deutsche Schule eröffnet. An dieser Schule wurde ich als Lehrer und Schulleiter eingestellt. Am 10. November begann meine Flucht nach Deutschland."

Somit war für eine Rückkehr in die alte Heimat, wie Du schreibst, überhaupt keine Zeit. Für die zahlenmäßig sehr geringe deutsche Bevölkerung in Ostwolhynien waren die Veränderungen nur von sehr kurzer Dauer.

Ein weiteres Stichwort ist die sogenannte "Deutsche Vorzeigekolonie Hegewald". Innerhalb des Generalbezirkes Shitomir gab es das Kreisgebiet Hegewald, eine von den deutschen Besatzern erfundene Ortsbezeichnung. 2 km südlich von Shitomir begann diese neue Siedlung und sollte sich über 100 km bis nach Berditschew erstrecken. Erste Häuser wurden bereits errichtet und deutsche Familien innerhalb Ostwolhyniens umgesiedelt.

Wenn Du einmal nach Shitomir reisen solltest, lasse Dir die deutschen Kriegsgräber im Süden Shitomirs zeigen. Hier begann die ehemalige Kolonie Hegewald. Unsere Reisegruppe im Jahr 2008 wurde von Georgij Mokritzky zu diesen Kriegsgräbern geführt.

gerhard

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