Literaturempfehlung
Ist es erlaubt, an dieser Stelle auf ein Buch aufmerksam zu machen?
Gestorbenes Land
Ein Mannes wird 1901 in Rokin/Wolhynien geboren. Als er stirbt, hatte er mehr als neunzig Jahre gelebt und 20 handschriftliche Seiten eines wechselvollen Lebens hinterlassen.
Seine Vorfahren waren Anfang des 19. Jahrhunderts nach Russisch-Polen ausgewandert und haben sich in einfachsten, bäuerlichen Verhältnisse behaupten müssen. Mehrmals mussten die Dörfer verlassen und an anderen Orten wieder neu begonnen werden.
Der Autor hat die 20 Seiten Lebenserinnerungen als Grundgerüst für einen Roman benutzt, in dem aber mangels Dokumenten und Zeitzeugen Vieles erdacht werden musste. Er beschreibt sehr stimmungsvoll das Denken, Fühlen und Arbeiten jener „kleinen“ Leute.
In Wolhynien konnten sie nicht bleiben, irgendwann verließen sie ihr Dorf erneut. Nach neuerlichem „Umherziehen“ im Baltikum, Ostpreußen und letztlich der Flucht im II. Weltkrieg konnte der Mann endlich für fast fünfzig Jahre "Wurzeln schlagen".
Wer sich für dieses Thema und die wechselvolle Geschichte der Menschen aus Wolhynien interessiert, und das geht ja den meisten so, die sich in diesem Forum treffen, ist das ein sehr interessantes, stimmungsvoll geschriebenes Buch. Ich habe es an zwei Nachmittagen und Abenden durchbekommen.
Hartmut Schatte: Gestorbenes Land. Westkreuz Verlag, Berlin, 320 Seiten, 15 Euro. ISBN 978-3-9397210-9-3
