Re: Familienforschung Sengebusch, Makus

Monika Heitz @, Freitag, 14.08.2009, 20:59 (vor 6110 Tagen) @ Irene König

Hallo Irene,

Danke erst mal für Deine Nachricht. Es tut mir leid, dass ich mich erst jetzt melde, aber ich hatte die ganze Woche keine Zeit zu antworten.
Ich glaube im Forum ist nicht ganz „rübergekommen“, was ich mit „verwurschtelt“ meinte ;-) !

Meine Großmutter starb 2002 mit 94 Jahren. Bis sie ca. 90 Jahre alt war, war sie noch ziemlich "fit". Sie ist im Jahr 1985 mit knapp 78 Jahren in Begleitung meiner Mutter zu Ihrer ältesten Schwester Lydia in die USA geflogen. Sie hatten sich seit fast 74 Jahren nicht mehr gesehen. Lydia wanderte 1912 mit ihrem Mann Fridrich Mielke im Alter von 16 Jahren in die USA aus. Sie wurde definitiv in Wolhynien in Wladin geboren. Ihr Vater musste sie 4 Jahre älter machen, und alles Vieh verkaufen, damit sie überhaupt auswandern konnte. Zu dieser Zeit muss es in Wolhynien ziemlich viel Armut gegeben haben. Besonders auf dem Land. Meine Oma war damals erst 4 Jahre alt, und hat wahrscheinlich gar keine „echten“ Erinnerungen an Wolhynien gehabt und kennt alles nur aus Erzählungen…später hat sie dann kurzerhand und unwissentlich Wladin in den Kaukasus „verlegt“. ;-)

Ich nehme inzwischen an, dass Ihr Vater mit der Familie zw. 1912 und 1914 in den Kaukasus gegangen ist. Entweder wegen der Armut oder den Vor-Unruhen der russischen Revolution oder den Anfeindungen gegen Deutsche vor Ausbruch des 1. Weltkrieges.
Die Erinnerungen meiner Oma an den Kaukasus sind schon konkreter gewesen. Sie erzählte von den Weinbergen, in denen sie schon als Kind mithelfen musste, von den Sümpfen und Wäldern am Fluss Terek, die sie erst "urbar" machen mussten, um Gemüse, Reben und Getreide anpflanzen zu können. Ihr Vater war Wagner und musste tagelang mit dem Pferdegespann zu den verstreuten Siedlungen fahren, um Reparaturarbeiten an Wagen, Kutschen usw. ausführen zu können. Sie erzählte, dass er sich auf seinen Reisen nachts immer gegen Wölfe in den Wäldern schützen musste, und dass er mehr als eine Woche unterwegs war um in Tiflis Waren und Ersatzteile einkaufen zu können. In der Zwischenzeit war meine Ur-Oma (dauerschwanger) mit den Kindern alleine. Von 15 Kindern überlebten nur vier das Kleinkindalter, weil es keine Ärzte oder Hebammen gab. Da meine Ur-Oma Susanna weder schreiben noch lesen konnte wusste sie wahrscheinlich nicht viel über Politik, Geografie, usw. Sie hatten keine Zeitung o. ähnl. Sie hat nur die „internen“ Familienerlebnisse weitergegeben. Sie zogen jedenfalls nach Pommern als der erste Weltkrieg für Deutschland verloren war und die Deutschen nicht mehr erwünscht waren (ich nehme an 1917/18, genaues ist nicht bekannt). Sie erzählten immer, dass sie aus dem Kaukasus wegen den „Tartarenkriegen“ flüchten mussten.

Meine Mutter hat schon mal Anfang der 1980-er Jahre versucht unsere Familiengeschichte zu rekonstruieren, da ja die Reise in die USA zu Lydia geplant war, und sie ihrer Tante den Werdegang der Familie in Europa erzählen wollte. Sie hat sämtliche, aus Erzählungen, bekannte Familiendaten in einem Album aufgeschrieben, u. a. auch die Aussage meiner Oma, dass sie in Wladin (Wolhynien) im Kaukasus / Terekgebiet geboren sei.
Meine Mutter ist aber nie auf die Idee gekommen, dass „Wladin“ nicht im Kaukasus liegt, weil meine Oma dies immer so erzählt hatte. Meine Mutter ist darüber genauso verwundert, wie ich es war, als ich dies vor ein paar Wochen feststellte. (Sie gehört zu der Generation, als die Kinder noch glaubten, was die Eltern erzählen… ;-) ) Als meine Ur-Großmutter starb, war meine Mutter noch ein Kind und kann sich an konkrete Daten oder Orte, die vielleicht erwähnt wurden, nicht mehr erinnern. Die älteren Geschwister meiner Mutter erinnern sich auch nur an Pommern. Wir wissen also definitiv nicht wo und ob meine Großmutter/Ur-Großmutter im Kaukasus gelebt hatten.
Paprotsch („in Wolhynien“, was ja auch nicht stimmt…) ist der Geburtsort meine Ur-Oma Susanna (laut ihren Erzählungen, Geburtsurkunde fehlt) Vielleicht dachte sie, dass alle Orte in Polen oder Russland „irgendwie“ in oder bei Wolhynien liegen (wie gesagt sie hatte gar keine Schulbildung) und hat das auch so meiner Oma und den Enkeln weitergegeben. Sie waren sehr einfache Bauern und Arbeiter und mussten ums Überleben kämpfen. Da bleiben vielleicht so wichtige „Details“ wie die geografische Lage in Europa schon mal auf der Strecke. Sie haben auch immer nur deutsch gesprochen, konnten weder polnisch noch russisch…

Ich habe schon mal versucht über Paprotsch weiterzukommen. Ich habe auch viele Sengebuschs / Makus´ gefunden, aber nie jemand mit den passenden Daten oder Namen. Mir fehlt im Moment einfach das Bindeglied zwischen Paprotsch - Wolhynien - Kaukasus - und Schneidemühl / Pommern in Form von Dokumenten, Urkunden usw. Vielleicht gibt es diese auch einfach nicht mehr, nachdem 1. u. 2. Weltkrieg alles so durcheinander gebracht haben, und ich finde nie heraus wo unsere Familie herkommt. Sengebusch ist jedenfalls ein Name, der eher in Pommern, Mecklenburg, Schlesien, Schleswig-Holstein, Dänemark und sogar Norwegen und Schweden vorkommt. Makus kommt eher in Polen vor…

Aber ich bin ja noch am Anfang der Forschung und muss noch viele Infos sammeln, bis ich ein Stück weiterkomme mit unserer „Zigeunerfamilie“ :-) Grüße Monika


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