Verschleppung der Wolhyniendeutschen

Lilia Steinmüller @, Samstag, 30.05.2009, 23:54 (vor 6184 Tagen)

Hallo Forum-Mitglieder,

Ich habe mal eine Frage, die mir schon lange durch den Kopf geht und ich hoffe ihr könnt mir helfen.

Wie oft wurden die Wolhyniendeutschen nach Sibirien bzw. Mittelasien deportiert?

Ich dachte bis jetzt immer einmal, und zwar 1915, doch seit dem ich die Einwanderungsunterlagen meiner Mutter erhalten habe, bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Denn da steht drin das sie ebenfalls deportiert wurde, und zwar nach Omsk, obwohl sie im Jahre 1924 geboren ist. Also nehme ich mal an das es eine zweite Deportation der Wolhyniendeutschen gab.

Liege ich mit meiner Annahme richtig?

Gruß
Lilia

Re: Verschleppung der Wolhyniendeutschen

Anna Liebert @, Dienstag, 02.06.2009, 19:29 (vor 6181 Tagen) @ Lilia Steinmüller

Hallo Lilia!
Mein Opa -Wolhyniendeutsche wurde 1946 nach Sibirien deportiert,aber 1943 nach Warthegau,1945 nach Moskau im lager.

LG,Anna Liebert

Re: Verschleppung der Wolhyniendeutschen

Lilia Gez, Dienstag, 02.06.2009, 20:23 (vor 6181 Tagen) @ Anna Liebert

Hallo, Lilia,

1928 wurden auch meine Großeltern mit ihren Familie erneut nach Sibirien ausgesiedelt. Meine Mutter erzählte: Die Umsiedlung von Wolhynien 1928 war „freiwilliges Muss“. Es war der Zeitpunkt des Beginns massenhaften Repression Deutschen aus Russland. Die ersten dokumentarisch belegten Aktionen in diese Richtung waren die Beschlüsse des Rates der Volkskommissare der UdSSR “Über die Umsiedlung aus der USSR (Ukraine) und der wirtschaftlichen Einrichtung von 15 000 polnischen und deutschen Wirtschaften im Gebiet Karaganda der Kasachischen ASSR“. Die Organisation und Kontrolle der Umsiedlung wurde in die Hände der NKWD der UdSSR gelegt. Es begann die massenhafte Deportation der Deutschen aus Grenzgebieten – „Spezpereselenzy“ (Sonderumsiedler) genannt. Dieser Akt musste an die Vertreibungen der Wolhyniendeutschen im Winter 1915/16 erinnern.

Lilia Gez

Re: Verschleppung der Wolhyniendeutschen

Lilia Steinmüller @, Dienstag, 02.06.2009, 21:22 (vor 6181 Tagen) @ Anna Liebert

Danke Anna für deine schnelle Antwort.

Bei meiner Mutter und ihrer Familie wahr es wohl genau so:

Zuerst nach Sibirien, dann wieder nach Wolhynien, dann wieder nach Sibirien dann wieder nach Wolhynien, dann zum Warthegau um dann endgültig nach Sibirien Deportiert zu werden.

Gruß
Lilia

Re: Verschleppung der Wolhyniendeutschen

Lilia Steinmüller @, Dienstag, 02.06.2009, 21:32 (vor 6181 Tagen) @ Lilia Steinmüller

Lilia, dir danke ich natürlich auch!

Bei meiner Mutter fand die Deportation wahrscheinlich dann auch im Jahr 1928 statt. Nur sie wurden nicht nach Karanganda, sondern nach Omsk deportiert.

Dort blieben sie aber auch nicht lange: Sie sind nach Deutschland ausgewandert. Das ist ihnen auch zuerst geglückt, nur die Sowjets haben sie dann wieder nach Sibirien gebracht, genauer nach Slatoust/Gebiet Tscheljabink.

Gruß
Lilia

Re: Verschleppung der Wolhyniendeutschen

roswitha biallas @, Montag, 15.06.2009, 20:28 (vor 6168 Tagen) @ Lilia Steinmüller

Hallo, auch die Familie meiner Großmutter (Eltern,Geschwister) wurden aus Stribitsch (Stribusch)/ Wolhynien verbannt. Sie erzählte mir von einer langen Reise auf der Wolga. Es fielen auch die Namen Kamischin und Saratow.Allerdings kehrten sie wahrscheinlich wieder nach Stribitsch zurück.Es handelt sich um die Familie Drewitz. Vielleicht weißt du etwas mehr? Ich denke,dass Nachfahren heute noch in Russland leben könnten, denn die Familie war sehr groß. Nur drei Geschwister wanderten nach Deutschland aus, ich weiß aber nicht wann, auf jeden Fall aber zwischen 1915 und 1918/19. mfg roswitha

Re: Verschleppung der Wolhyniendeutschen

Eduard Gense @, Dienstag, 21.07.2009, 13:05 (vor 6133 Tagen) @ Lilia Steinmüller

Hallo, Lilia!

Zwar kann ich keine definitive Antwort auf Deine Frage geben, doch denke mir, es wird nicht verkehrt sen, wenn ich zu dem Thema eigene Information beifüge. Wer weiss, vielleicht findet einer oder anderer Gleichgesinnter darin das, was ihm weiter helfen könnte.
Und zwar: meine Ur-Großeltern müttelricher - großmütterlicherseits mussten zweimal den Weg nach Sibierien machen. Das erste Mal war es ca. 1915 - 1916. Wie es hiess, das meiste bis auf alles, was an Wert hatte, ging verloren. Sie liessen sich in Blumenfeld, Omsker Gebiet nieder. Kurz oder lang darauf kehrte die Familie wieder zurück nach Wolhynien, - zumindest weiss ich, dass meine Großmutter, geboren 1917, mit ihrer Schulbildung in Wolhynien angefangen hat. Der ganze Lebensaufbau wurde von vorne angefangen. Im Jahre 1938, im Spätherbst wurde für die Familie meiner Ur-Großeltern und die meiner, zu dem Zeitpunkt verheirateten, Großmutter klarer als klar, - es kommt ein großer Knall und zwar sehr bald. Laut Erzählungen meines Großvaters, wurden zu der Zeit in dem Gebiet aktiv Fortifikationsmaßnahmen durchgeführt (wie mein Großvater es ganz genau nannte, "es wurden die "укреп-районы" auf- und ausgebaut). Im Februar-März kamen die o.g. Familien, eine nach der anderen (man könnte beinahe sagen, freiwillig) wieder nach Sibirien, Omsk. Mit ihnen machten diesen Weg auch mehrere andere Familien aus derselben Gegend und um den selben Zeitraum. Ortschaften in Wolhynien, aus denen meine erwähnten Vorfahren stammen sind Warwarowka und Borisowka (in manchen Dokumenten las ich "Borisúwka", so wie auch mein Großvater sein Dorf nannte) und laut Aussagen meiner Gromutter gehörten zu dem Emiltschinski Rajon bei Nowograd-Wolhynsk, Zhitomir-Gebiet. Wie gesagt, ich schrieb das alles etwas ausführlicher nicht nur um (wer weiss?), hoffentlich, helfende Information zuspielen zu können, sonder auch in Hoffnung, auf Gegenseitigkeit, falls jemand Parallelen zu seinen Fakten erkennt.
Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit.
Gruß,

Eduard.

Re: Verschleppung der Wolhyniendeutschen

Lilia Steinmüller @, Dienstag, 21.07.2009, 20:02 (vor 6132 Tagen) @ Eduard Gense

Hallo Eduard,

Danke für deine Antwort. Ich denke bei meiner Familie muss es sich so ähnlich abgespielt haben, auch wenn sie aus dem Rajon Baraschi Gebiet Shitomir waren.

Leider kann ich dir bei deiner Ahnenforschung auch nicht viel weiter helfen, weiß selber noch viel zu wenig über Wolhynien.

Gruß,
Lilia

Re: Verschleppung der Wolhyniendeutschen

Harry Tietz @, Sonntag, 30.08.2009, 18:19 (vor 6093 Tagen) @ Lilia Steinmüller

...Ich dachte bis jetzt immer einmal, und zwar 1915,
doch seit dem ich die Einwanderungsunterlagen meiner Mutter
erhalten habe, bin ich mir da nicht mehr so sicher....

Hallo Lilia,

das Jahr 1915 (evtl. auch schon 1914??) scheint wahrscheinlich. Auch meine Großeltern wurden von Sdorowetz (Kirchenkreis Emilcin) umgesiedelt nach Zaritzin/Wolga*) (bei Saratow). Dort wurde am 16.06.1916 mein Onkel (bzw. das 1. Kind meiner Großeltern) geboren. 1918/19 wurde dann das 2. Kind und am 09.04.1921 das 3. Kind (jeweils in Sdorowetz) geboren. Was vom Ergebnis her bedeuten würde, dass die Rücksiedlung in die alten Gebiete ca. 1918/19 durchgeführt worden sein muss.


*) 1925 in Stalingrad umbenannt

Gruß Harry

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